Prof. Barbara Gärtner, Uniklinik Homburg (Foto: SR)

„Man zahlt für diese Impfpflicht einen Preis“

Interview: Prof. Barbara Gärtner zur Impfpflicht-Debatte

  25.01.2022 | 11:56 Uhr

Kommt eine Impfpflicht oder nicht – und wenn ja, für wen? Die Diskussion wird derzeit kontrovers geführt. Prof. Barbara Gärtner von der Uniklinik Homburg steht einer Impfpflicht skeptisch gegenüber.

Angesichts der stark steigenden Zahl von Omikron-Fällen hat die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht weiter an Fahrt aufgenommen. Weder in der Wissenschaft, noch in der Politik herrscht Einigkeit über das Vorgehen.

Hohe Durchimpfungsraten

„Man zahlt für diese Impfpflicht einen Preis“
Audio [SR 3, Dorothee Scharner, 25.01.2022, Länge: 04:48 Min.]
„Man zahlt für diese Impfpflicht einen Preis“

Prof. Barbara Gärtner ist Leiterin der Abteilung Hygiene am Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Homburger Uniklinik sowie Mitglied der Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten. Einer wie auch immer gearteten Impfpflicht steht sie skeptisch gegenüber.

Gärtner verweist dabei auf die Durchimpfungsraten. Man müsse betrachten, welche Steigerung man mit einer Impfpflicht überhaupt erreichen könne. „Und dann muss man immer schauen, ob die Impfpflicht, die ja eine wahnsinnig einschneidende Maßnahme ist, überhaupt noch in einem Verhältnis steht zu dem, was man eigentlich verhindern möchte.“

Gärtner: „Kein großer Fan von Impfpflichten“

Eine Entscheidung müsse eine wissenschaftlich fundierte Begründung beinhalten, welche Effekte man damit erreichen wolle und welche Risiken man in Kauf nehme, sagt sie. Das sei bei einer allgemeinen Impfpflicht schwer zu beschreiben. Eine Impfpflicht nur für besonders gefährdete Personen wäre eine mildere Form und würde das Ziel, die Intensivstationen zu entlasten, ebenfalls erreichen.

Gleichzeitig fügt Gärtner hinzu: „Ich bin insgesamt kein großer Fan von Impfpflichten.“ Sie verweist auf die hohe Durchimpfungsquote im Saarland. Rund 90 Prozent aller Erwachsenen seien hier geimpft.

Absage von OPs allgemeines Problem

Gärtner weißt darauf hin, dass eine Impfpflicht keinen Impfzwang bedeutet. „Wir können niemanden zwingen, den Arm herzuhalten und sich die Spritze geben zu lassen.“

Das Problem der abgesagten planbaren OPs, die in der Debatte immer wieder ins Feld geführt werden, ist für Gärtner kein hinreichendes Argument. „Das ist ein allgemeines Problem unseres Pflegemangels, kein reines Corona-Problem.“

Impfpflicht könnte anderen Impfungen schaden

Nach heutigem Stand, so Gärtner, seien Corona-Patienten auf der Intensivstation „nicht unser limitierendes Problem“. Das könne sich zwar mit Omikron und weiteren Varianten ändern. Die Krankenhäuser stünden diesbezüglich erst am Anfang. Sie bezweifelt aber, dass sich die zehn Prozent der ungeimpften Erwachsenen im Saarland bei einer Impfpflicht impfen lassen werden.

Gärtner vermutet eher, dass diese Personen dann lieber das Bußgeld bezahlen. Zudem zeigten psychologische Studien, dass eine Impfpflicht auch dem Image anderer Impfungen schaden könnte und diese dann nicht durchgeführt würden. Gärtners Resümee: „Man zahlt für diese Impfpflicht einen Preis.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 25.01.2022 berichtet.

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