Der Treffpunkt Ü-Wagen am 18.08.2017 in Neunkirchen beim Fußballverein FV Neunkirchen (Foto: Dirk Guldner)

FV Neunkirchen muss Grundschule weichen

mit Informationen von Stephan Deppen   15.03.2022 | 12:40 Uhr

Im Sommer 2017 waren wir mit dem Treffpunkt Ü-Wagen beim Fußballverein FV Neunkirchen. Der Verein sollte eigentlich einen Kunstrasenplatz bekommen. Doch den gibt es bis heute nicht. schlimmer noch: Der Verein muss sein angestammtes Areal wegen eines Bauprojektes räumen. Das drückt auf die Stimmung im Verein und auf das Verhältnis von Verein und Stadt Neunkirchen.

August 2017: Anlässlich des Treffpunkt Ü-Wagens von SR 3 Saarlandwelle stellte der damalige Bürgermeister Jörg Aumann dem FV Neunkirchen (FVN) einen neuen Kunstrasenplatz in Aussicht. Doch der kam nie. Stattdessen soll auf dem Fußballplatz nun eine Grundschule gebaut werden. Spielen soll der Verein künftig im Wagwiesental.

Grundschulbau ab 2023 geplant

Heute ist Aumann nicht mehr Bürger- , sondern Oberbürgermeister in Neunkircher. Der 2017 angekündigte Fußballplatz werde nicht mehr kommen, so Aumann: Das Projekt sei erledigt, denn seit zwei Jahren sei man mit dem Verein in Gesprächen, dass man dort eine neue Grundschule errichten wolle.

Der Gestattungsvertrag zwischen Verein und Stadt sehe ein Kündigungsrecht vor - und das werde die Stadt auch ausüben, so Aumann. Schon im nächsten Jahr wolle man mit dem Bau der Grundschule beginnen.

Ausweichtrainingsplatz

Das ist bitter für die Fußballer vom FVN, die mit inzwischen gut 200 Kindern und Jugendlichen mit - nach eigenen Angaben - 60 Prozent Migrationshintergrund wertvolle Jugendarbeit leisten und nun nach einer neuen Bleibe suchen müssen.

Gegen eine Grundschule kann und will der Verein nicht argumentieren. Statt auf dem alten Ascheplatz wird nun im Wagwiesental auf der anderen Straßenseite trainiert und gespielt. Der grüne Untergrund sei sogar eine Verbesserung, sagt der Vereinsvorsitzende Patrick Martin.

Streit um Entschädigungssumme für das Clubheim

Aber das Clubheim muss weichen. "Die Heimat des Vereins ist weg", sagt der Vereinsvorsitzende. Das Geld, das man nun ausgezahlt bekomme, reiche nicht aus, um eine neue Heimat zu bauen.

520.000 Euro möchte der FVN von der Stadt. Mehrere Bauunternehmen und Architekten hätten diesen Wert bestätigt, so Martin. Dem gegenüber bietet die Stadt 351.000 Euro. Diesen Wert habe der Gutachterausschuss des Landkreises ermittelt, so Aumann. Daran sei man bei allem Verständnis für den Verein auch gebunden.

Ausweichgrundstück für Clubheim

Ein kleines Grundstück im Wagwiesental offeriert die Stadt für das Clubheim. Das wäre auch in Ordnung, so Vereinschef Martin. Viel Verhandlungsspielraum besteht nicht für den Verein - das wissen beide. OB Aumann sieht den Verein am Zug: Man müsse sich dort intern einig werden, "was man denn genau will". Doch man könne seitens der Stadt nicht ewig warten. Irgendwann senke sich auch der Entschädigungsbetrag.

Kritik an Entscheidungsprozessen

Vereinsboss Martin kritisiert: Schon beim Projekt Kunstrasen sei der Verein von der Stadt lange hingehalten worden - und auch jetzt fühlten sich viele von der Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt. Mit Blick auf andere Gemeinden fordert er eine bessere Einbindung in die Entscheidungsprozesse.

Es wird eine Lösung für den FV Neunkirchen geben - aber ob der Verein damit wirklich zufrieden sein wird - das bleibt vorerst offen.


Hintergrund

Live und vor Ort am 18. August 2017
Der Treffpunkt Ü-Wagen in Neunkirchen

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 15.03.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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