Eine Person hält Geldscheine und den Rentenbescheid der Deutschen Rentenversicherung in der Hand (Foto: picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig / Eibner-Pressefoto)

"Wichtig sind altersgerechte Arbeitsplätze"

Arbeitskammer fordert Verbesserung des Arbeitsschutzes

Interview: Frank Hofmann/Onlinefassung: Corinna Kern   16.12.2022 | 09:32 Uhr

Die Menschen in Deutschland gehen immer häufiger vor der Regelaltersgrenze in Rente. Viele scheiden demnach bereits mit 63 oder 64 Jahren aus dem Arbeitsleben aus. Für Torsten Brandt von der Arbeitskammer des Saarlandes liegt das vor allem an gesundheitlichen Gründen. Er fordert eine Verbesserung des Arbeitsschutzes.

Nach Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung gehen die Arbeitnehmer in Deutschland immer häufiger früher in Rente. Das beschleunigt den Arbeitskräftemangel. Denn wenn Arbeitnehmer mit 63 oder 64 Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, liegen sie deutlich vor der Regelaltersgrenze.

Ursachen der Frührente

Für Torsten Brandt, Leiter der Abteilung Gesellschaftspolitik und Leiter des Referats Pflege der Arbeitskammer, sind es hauptsächlich gesundheitliche Gründe für den vorzeitigen Renteneintritt. Abschläge bis zur Altersrente würden in Kauf genommen, weil krankheitsbedingt eine Fortsetzung der Tätigkeit nicht mehr möglich sei, sagt er.

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"Der Hauptgrund sind gesundheitliche Einschränkungen"
Audio [SR 3, Moderation: Frank Hofmann/ im Interview: Torsten Brandt, 16.12.2022, Länge: 03:35 Min.]
"Der Hauptgrund sind gesundheitliche Einschränkungen"

Die größten gesundheitlichen Belastungen seien laut Brandt psychischer und körperlicher Natur. Psychische Belastungen seinen einer der Hauptgründe bei der Erwerbsminderungsrente. Es folgten Krebserkrankungen und Beeinträchtigungen des Skelett- und Muskelapparats.

Verbesserung des Arbeitsschutzes

Um einen längeren Verbleib in der Arbeitswelt zu gewährleisten, sollte der Fokus auf altersgerechte Arbeitsplätze in den Betrieben gelegt werden, so Brandt. Arbeitsschutzmaßnahmen sollten regelmäßig evaluiert und beobachtet werden und hier gebe es Nachholbedarf. Gefährdungsanalysen würden nicht ausreichend durchgeführt.

Hinzu komme, dass Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner fehlen würden. Hier sieht Brandt die Arbeitgeber gefragt, sich stärker für den Arbeitsschutz einzusetzen.

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

Als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel das Renteneintrittsalter anzuheben, ist für Brandt keine Option. Vielmehr müssten die Menschen länger gesund arbeiten können, sagt er. Zudem müsse auf qualifizierte Zuwanderung gesetzt werden.

Als dritte Stellschraube sollte die Beschäftigung von Frauen erhöht werden. Mehr Frauen in Vollzeit zu beschäftigen, sei "ein ganz wichtiger Schritt" gegen den Fachkräftemangel - und zudem auch gegen Altersarmut, denn Frauen seien besonders von Altersarmut betroffen.


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Ein Thema in "Guten Morgen" am 16.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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