Josephine Ortleb (Foto: Pressefoto)

"Es ist jetzt Zeit für ein neues Frauenquoten-Gesetz"

Interview Simin Sadeghi /Josephine Orleb   25.07.2020 | 10:25 Uhr

Eine Studie im Auftrag der Bundesregierung hat gezeigt: Eine feste Quote hat den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen begünstigt. Seit 2015 gibt es sie schon für Aufsichtsräte. Mindestens 30 Prozent müssen dort Frauen sein . Bundesfrauenministerin Giffey und die SPD wollen diese Quote auf Unternehmensvorstände ausweiten. Die Studie gibt ihnen jetzt Rückenwind. Sie zeigt klar: Vorgaben bringen mehr als Freiwilligkeit.

In der Studie wurden 1469 öffentliche Unternehmen untersucht. Dazu gehören Stadtwerke oder Krankenhäuser in 69 Städten. Verglichen wurden Stadtstaaten, Landeshauptstädte und die vier größten Kommunen je Bundesland. Die Forscher weisen darauf hin, dass in Bundesländern, in denen es kaum großen Städte gibt, vergleichsweise viele kleinere Kommunen mit wenigen Unternehmen analysiert wurden. Laut der Studie liegen Hessen (22,0 Prozent) und das Saarland (21,0) über dem Durchschnitt. Demnach ist der Frauenanteil in der Führungsebene von Kommunalunternehmen in Saarbrücken überdurchschnittlich hoch. So sind ein Viertel aller Führungspositionen mit Frauen besetzt. Keine einzige Top-Managerin gibt es in Kommunalunternehmen in Neunkirchen. In Trier sind es 12,5 Prozent, in Kaiserslautern 3,3 Prozent.

"Es ist jetzt Zeit für ein neues Frauenquoten-Gesetz"
Audio [SR 3, Interview Simin Sadeghi /Josephine Orleb, 25.07.2020, Länge: 03:24 Min.]
"Es ist jetzt Zeit für ein neues Frauenquoten-Gesetz"

Nach Ansicht der SPD-Bundestagsabgeordneten Josephine Ortleb belegt die Studie, was ohnehin offensichtlich ist: Es funktioniere nur mit festen Quoten. In der Corona-Zeit zeige sich, dass Frauen bei der Krisenbewältigung an vorderster Front stünden. Das müsse nun endlich auch inder Wirtschaft realisiert werden.

Mit dem ersten Gesetz von 2015, so Ortleb, sollten Frauen ermöglicht werden, mehr in Führungspositionen repräsentiert sein. In den unteren Ebenen von Unternehmen seien oft genauso viele Frauen wie Männer vertreten. Aber sobald es um die Führungsebenen gehe, seien sie plötzlich "verloren gegangen. Das zeigt: Es gibt ein strukturelles Problem."

Derzeit gebe es 105 Unternehmen, bei denen die Quote bereits gewirkt habe. Es gebe aber tatsächlich Unternehmen, die als Zielgröße "Null Frauen" hätten. Unter anderem das solle mit dem neuen Gesetz geändert werde. "Wir wollen zumindestens eine Begründungspflicht." Zudem sollte es Sanktionslisten für die Unternehmen ohne Begründung geben.

"Es braucht eine Kulturwandel"

Selbst in der CDU gebe es mittlerweile einen Wandel. "Dort wird auch über feste Quoten geredet. Nur das Bundeswirtschaftsministerium mit Peter Altmaier hat gesagt, wir können das jetzt der Wirtschaft nicht zumuten, was wirklich sehr erstaunlich ist, weil Peter Altmaier sich selbst als Feminist bezeichnet."

Die SPD-Politikerin Ortleb zeigt sich überzeugt, dass noch ein ganz altes Denken in den Köpfen vorherrscht. "Wir brauchen einen Kulturwandel." Heute sei klar: Gleichberechtigung könne nur mit gesetzlichen Maßnahmen erreicht werden. "Dafür ist jetzt genau die Zeit."

HIer geht's zur Studie: Repraesentation-von-Frauen-in-oeffentlichen-Unternehmen

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 25.07.2020 berichtet.

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