Ein älteres Pärchen sitzt auf der Couch vor einem Tablet (Foto: dpa/Jan Woitas)

Nur noch digital aufs Amt?

Dorothee Scharner im Gespräch mit Regina Görner   17.02.2022 | 12:15 Uhr

Viele Angebote von Behörden und Dienstleistern werden zunehmend digitalisiert. Besonders ältere Menschen würden dadurch abgehängt, kritisiert Regina Görner, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). Sie fordert ein Recht auf ein analoges Leben.

Internet, Smartphone und Tablet können unser Leben erleichtern. Mal eben schnell eine Theaterkarte reservieren, eine Überweisung machen, mit dem Handy den Impfpass am Eingang zeigen oder schauen, welche Corona-Bestimmungen gerade im Hallenbad gelten – in der digitalen Welt kein Problem. Doch viele Menschen fühlen sich überfordert - vor allem Ältere. Regina Görner war Sozialministerin im Saarland und ist jetzt Vorsitzende der BAGSO. Sie fordert, dass es vor allem im öffentlichen Sektor weiter analoge Angebote geben müsse.

Recht auf analoge Angebote bei öffentlichen Dienstleistungen

"Kann nicht sein, dass Angebote nur digital zugänglich sind"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner / Regina Görner, 17.02.2022, Länge: 04:34 Min.]
"Kann nicht sein, dass Angebote nur digital zugänglich sind"

Sie begrüße zwar die Digitalisierung, aber dort, wo es nur noch digitale Wege gebe, würden viele Menschen ausgeschlossen, die keinen Zugang dazu hätten, sagt Görner. Besonders gravierend sei das bei öffentlichen Angeboten, zum Beispiel bei der Anmeldung eines Kraftfahrzeugs. Es könne nicht sein, dass dieses Angebot nur digital zugänglich sei. Der öffentliche Dienst habe ein Monopol auf seine Leistungen und müsse diese deshalb auch allen Bürgerinnen und Bürgen zugänglich machen.

Kritik an Bank-Gebühren für analoge Angebote

Aber auch der Umgang von privaten Dienstleistern mit analogen Angeboten sieht Görner kritisch. Zum Beispiel bei Banken, bei denen Zusatz-Gebühren für analoge Angebote veranschlagt würden. "Das halte ich für nicht zulässig", so Görner. Hier nehme man den Banken durch die digitale Nutzung ja Arbeit ab. Sie rät, sich Banken zu suchen, die solche Gebühren nicht erheben.

Braucht es mehr Schulungen?

Eine Lösung könnte sein, Seniorinnen und Senioren über Schulungen fitter zu machen für die digitale Welt. Das allein genüge aber nicht, so Görner: "Wir müssen das eine tun, ohne das andere zu lassen." Es brauche weiter Qualifizierungsangebote, wie es sie ja auch schon seit Jahren gebe. Hier habe sich auch schon viel getan. Ältere Menschen zeigten eine immer größere Bereitschaft, sich hier weiterzubilden - nicht zuletzt auch in der Corona-Zeit.

Menschliche Beratung vor Ort

Dennoch brauche es unabhängig davon in jeder Gemeinde Anlaufpunkte, wo man von einem Menschen beraten werde. Das könnten zum Beispiel Bürgerbüros sein. Völlig absurd sei es, dass der Zugang zu diesen Büros mancherorts jetzt auch digital stattfinde. Hier sei auch auf lokaler Ebene Initiativen gefragt, sich für mehr analoge Angebote einzusetzen - etwa auch durch Seniorenbeiräte.


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