Ford-Werk Saarlouis (Foto: Imago Images/BeckerBredel)

Zukunftskonzept für Ford Saarlouis muss vorliegen

Yvonne Schleinhege   27.01.2022 | 22:03 Uhr

Im Wettbewerb um ihre Zukunft mussten die Ford-Werke in Saarlouis und Valencia am Donnerstag ihre Zukunftskonzepte vorlegen. Branchen-Experte Prof. Stefan Bratzel sieht kaum eine Chance, dass beide Werke überleben werden. Und die zermürbende Ungewissheit für die Beschäftigen geht erstmal weiter.

Auch wenn am Donnerstag die Konzepte abgegeben werden mussten: Für die fast 5000 Beschäftigten von Ford in Saarlouis ändert sich erst einmal nichts. Und dennoch: wenn man mit Kai Gierlinger spricht, hört man ihm seine Enttäuschung, aber auch seinen Frust an.

"Das Bieterverfahren ist für mich keine Art und Weise mit seinen Beschäftigten, den Menschen, die dahinterstehen und vor allem mit den Familien umzugehen", sagt der Jugendvertreter von Ford in Saarlouis. "Wie kann man Saarlouis und Valencia so gegeneinander ausspielen?"

Video [aktueller bericht, 27.01.2022, Länge: 3:16 Min.]
Ford Saarlouis muss Konzept vorlegen

Interne Bieterverfahren nicht unüblich

Ford Saarlouis muss Konzept vorlegen
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 27.01.2022, Länge: 03:16 Min.]
Ford Saarlouis muss Konzept vorlegen
Im Wettbewerb um ihre Zukunft müssen die Ford-Werke in Saarlouis und Valencia heute ihre Zukunftskonzepte vorlegen. Branchen-Experte Prof. Stefan Bratzel sieht kaum eine Chance, dass beide Werke überleben werden. Und die zermürbende Ungewissheit für die Beschäftigen geht erstmal weiter. Yvonne Schleinhege aus der SR-Wirtschaftsredaktion berichtet.

Fest steht: Nur eines der beiden Werke soll künftig ein weiteres E-Automodell für Ford in Europa bauen. Was mit dem anderen Standort passiert ist ungewiss - es droht das Ende. Bis Donnerstag müssen Valencia und Saarlouis beim Management in Detroit und Köln Konzepte vorlegen. Nötige Investitionen, die bisherige Produktivität, aber auch die Kosten werden dabei eine Rolle spielen.

Solche internen Bieterverfahren um neue Produkte seien nicht unüblich in der Automobilwirtschaft, betont Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach. Man wolle dadurch die besten Konditionen innerhalb eines Unternehmens realisieren.

„Ohne Zugeständnisse der Mitarbeiter wird es nicht gehen“

Dass dieses Bieterverfahren auch zu Lasten der Mitarbeiter gehen wird, scheint klar. Natürlich seien die Lohnkosten ein wichtiger Faktor, und die seien in Spanien durchaus günstiger, sagt der Automobilexperte im SR-Interview. "Ohne Zugeständnisse der Mitarbeiter wird es nicht gehen." 

Branchen-Experte Prof. Stefan Bratzel: "Beide Werke werden nicht überleben"
Audio [SR.de, Yvonne Schleinhege, 27.01.2022, Länge: 12:55 Min.]
Branchen-Experte Prof. Stefan Bratzel: "Beide Werke werden nicht überleben"
Im Wettbewerb um ihre Zukunft müssen die Ford-Werke in Saarlouis und Valencia am Donnerstag ihre Zukunftskonzepte vorlegen. Branchen-Experte Prof. Stefan Bratzel sieht kaum eine Chance, dass beide Werke überleben werden. Und die zermürbende Ungewissheit für die Beschäftigen geht erstmal weiter.

Aber die Unternehmensentscheidungen hingen eben auch von anderen Faktoren ab: So gehe es um die Produktivität des Werkes, die Qualität der Arbeit, die Innovationsfähigkeit und auch Dinge wie Logistikkosten.

Ford selbst hat sich bisher nicht zu diesem Bieterverfahren zwischen Valencia und Saarlouis geäußert. Auf SR-Anfrage heißt es, man arbeite daran, die Transformation des Unternehmens in Europa weiter voranzutreiben, habe „aber derzeit nichts weiter dazu mitzuteilen“.  

"Beide Werke werden nicht überleben"

Für Professor Stefan Bratzel hingegen ist klar, dass Ford in Sachen E-Mobilität den Trend verschlafen hat. Hier müsse dringend etwas passieren, "wenn Ford in Europa ein relevanter Player bleiben will". Wenn es dem Unternehmen jetzt nicht gelinge, in Sachen Elektromobilität auf dem Kontinent Fuß zu fassen, dann sei es sogar denkbar, dass sich Ford komplett aus Europa zurückziehen könnte.

Aktuell sehe er diese Gefahr aber noch nicht, so Bratzel weiter. Und dennoch: Für den Branchen-Experten scheint festzustehen, in der aktuellen Situation wird es nicht für beide Standorte eine Zukunft geben. "Ich gehe davon aus, dass ein Werk, entweder Saarlouis oder Valencia, in den nächsten Jahren dicht gemacht wird."

Kühlen Kopf bewahren, motivieren und Gas geben

Auch die Beschäftigten in Saarlouis wissen, dass alles für sie auf dem Spiel steht - und das seit vielen Monaten. Und diese Ungewissheit wird erstmal bleiben. Im Sommer, so zumindest hieß es zuletzt immer wieder, will das Management entscheiden.

"Die Situation wird auf keinen Fall einfacher", sagt auch Ford-Jugendvertreter Kai Gierlinger. Und die Sorgen würden größer. Aber jetzt müssten die Beschäftigten erst einmal einen kühlen Kopf bewahren und weiter machen. "Da müssen wir uns auch gegenseitig motivieren und puschen. Aufgeben ist keine Option, wir müssen jetzt nochmal Gas geben."

Hintergrund:

Hintergrund um die Werke
Worum es bei Ford Saarlouis und Valencia geht
Ford in Saarlouis oder Valencia - nur eines der beiden Werke soll künftig ein neues E-Auto bauen. Das Management hat deshalb von beiden Zukunfts-Konzepte gefordert. Worum es bei diesem "Bieterwettstreit" geht, erklärt der SR-Podcast „Das zählt. MenschWirtschaft.“

zum Podcast "Ford gegen Ford. Ein "entwürdigendes Duell"

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.01.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja