Der Große Markt in Saarlouis mit der Ludwigskirche (Foto: B. Heitz)

Frauen, die Saarlouis veränderten

Lena Schmidtke   21.10.2020 | 15:37 Uhr

Mit viel Liebe, Akribie und unermüdlicher Forschung hat der "Frauenhistorische Arbeitskreis" das Wirken von Saarlouiser Aktivistinnen und Feministinnen zu Tage befördert. Ihre Entdeckung: Frauen spielten in der Geschichte der Kreisstadt Saarlouis und ihrer Stadtteile in den vergangenen Jahrhunderten eine wesentliche Rolle.

Frauen, die Saarlouis veränderten
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 21.10.2020, Länge: 03:08 Min.]
Frauen, die Saarlouis veränderten

Hella ist begeistert, was Frauen in Saarlouis bewirkt haben, ob in Politik, gesellschaftlichem Engagement oder Charity. Deshalb ist Hella Teil des Frauenhistorischen Arbeitskreises, der über diese Frauen forscht. Im Stadtbild erinnert fast nichts an sie, oft gibt es nicht einmal einen Straßennahmen. Doch: Ob im 19. oder 20. Jahrhundert, Saarlouiser Aktivistinnen und Feministinnen haben wegweisende Entscheidungen in der Saarlouiser Stadtpolitik und -Gesellschaft herbeigeführt.

Damit waren sie ihrer Zeit bereits teilweise weit voraus. Etwa die langjährige Stadträtin Waltraud Kühne. Sie war Aktivistin für Seniorenbelange, den Dialog der Generationen und für Kultur. Zu ihrer Zeit war Inklusion noch kein Thema, doch sie setzte sich bereits für solche Projekte ein. Kühne gab Impulse zur Barrierefreiheit, beispielsweisel Geländer an öffentlichen Gebäuden. Die wurden auf ihre Initiative hin angebracht. Und sie hat sich für gemeinsame Veranstaltungen eingesetzt für Jugend und Senioren, quasi die Wiege des Mehrgenerationenansatzes in Saarlouis.

Mühsame Kleinarbeit in Archiven

Frauen haben aber nicht erst Ende des 20. Jahrhunderts zur Stadtentwicklung in Saarlouis beigetragen. Die Borromäerinnen haben schon 1810 das Krankenhaus übernommen, waren in der Alten- und Krankenpflege aktiv und arbeiteten viel in der Bildung von Mädchen. Das waren dann nicht nur so genannte "Nähschulen". Die Mädchen wurden in Religion, Deutsch, Französisch, Geschichte, Rechnen und Physik unterrichet.

Um Feministinnen und Aktivistinnen zu finden, die die Stadt Saarlouis vorangebracht haben, betreibt der "Frauenhistorische Arbeitskreis" viel Aufwand. Die Geschichtsschreibung ist männlich geprägt. Über Frauen gebe es nur wenig Aufzeichnungen, sagt Hella. Sie gehen in Archive, nehmen Kontakt zu Verwandten auf, und stoßen dabei immer weider auf spannende „Frauen-Geschichten“. Zum Beispiel über Mary Lonsdorfer, die sich unter anderem für den Bau des Altersheims, der Sporthalle und des Hallenbads eingesetzt hat.

Menschen im Rosenthal-Stollen gerettet

Wegen ihrer guten Englischkenntnisse, so wird erzählt, rettete sie die Menschem im Bergstollen Rosenthal in Lisdorf vor einem Massaker. Dort hatte sie mit anderen Einheimischen Schutz gesucht. Und die amerikanischen Soldaten kamen immer näher und man befürchtete das Schlimmste. Durch ihre guten englischen Sprachkenntnisse verhandelte Mary Lonsdorfer mit den Soldaten. So kam es zu einer friedlichen Übergabe des Stollens. Nach Mary Lonsdorfer ist eine Straße auf dem Lisdorfer Berg benannt, eines der wenigen sichtbaren Zeichen starker Frauen im Saarlouiser Stadtbild.

In Zusammenarbeit mit den lokalen Bündnissen für Familie in Saarlouis bietet die Familienbildungsstätte Saarlouis nun eine zweistündige Exkursion durch die Innenstadt von Saarlouis an. Führungen gibt es regelmäßig in den Schulferien. Über den Winter macht der Frauenhistorische Arbeitskreis Pause, in den Osterferien geht es dann wieder los.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 21.10.2020 berichtet.

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