Mietwohnungen (Foto: dpa)

Dringend Wohnungen für Geflüchtete im Saarland gesucht

Weitere 2000 Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet

Anke Schaefer / Onlinefassung: Jil Kalmes   08.08.2022 | 16:00 Uhr

Bis zu 2000 weitere Geflüchtete aus der Ukraine sollen im Saarland in nächster Zeit aufgenommen werden. Der Bund setzt nämlich nach dem „Königsteiner Schlüssel“ auf eine gleichmäßige Verteilung. Demnach scheint das Saarland im Rückstand zu sein und hat im Bundesdurchschnitt weniger Geflüchtete aufgenommen als andere Bundesländer. Das Problem: Es gibt zu wenig passenden Wohnraum.

Das Saarland wird in nächster Zeit vermehrt Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen. Doch Wohnraum ist knapp. Jetzt wird die Bevölkerung um Mithilfe gebeten.

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Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine gesucht
Audio [SR 3, Anke Schaefer (c) SR, 08.08.2022, Länge: 03:24 Min.]
Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine gesucht

Wohnraum mittlerweile knapp

Als die russische Armee Ende Februar die Ukraine angriff, wartete Larissa Romanowska nicht lange. Schon am 24. Februar – in der Nacht, als die ersten Bomben fielen – entschied sie sich für die Flucht.

Die Wahl fiel auf Saarbrücken, da sie hier eine Freundin hat. Deren Sohn hat ihr – nach anfänglichen Schwierigkeiten wegen fehlenden Dokumenten – bei der Suche nach einer Wohnung geholfen. Nun hat sie 20 Quadratmeter inklusive Südbalkon für sich. Doch solches Glück haben längst nicht alle. Wohnraum für Geflüchtete ist knapp im Saarland.

Appell an Bevölkerung

Jörg Aumann (SPD), Stellvertretender Präsident des Saarländischen Städte- und Gemeindetages und Oberbürgermeister von Neunkirchen, bittet Menschen mit freiem Wohnraum, sich beim Amt für Soziale Dienste zu melden. Die potenzielle Wohnung würde dann besichtigt werden.

Zimmer mit Toiletten suche man allerdings nicht. Man brauche richtige Wohnungen, wo sich die Menschen auch etwas kochen könnten, sagt Jörg Aumann.

Ist die Hilfbereitschaft abgeflaut?

Tobias Schunk vom Saarländischen Flüchtlingsrat verneint. Es sei eher der Eindruck entstanden, dass der Wohnraum nicht gebraucht werde. Denn nach Kriegsbeginn kamen weniger Geflüchtete als erwartet im Saarland an.

Auch zeige sich jetzt, wie schlecht die Situation auf dem saarländischen Wohnungsmarkt ist. Besonders in den Städten sei es schwer, preiswerten Wohnraum zu finden, denn die Neubauten der letzten Jahre seien eher im höherpreisigen Segment verortet.

"Wir wollen keine Flüchtlinge erster und zweiter Klasse"

Menschen, die schon länger im Saarland leben, sollen aber auch keine Nachteile erfahren, so Schunk. Man wolle nicht Schwache gegen noch Schwächere ausspielen. Vielmehr sieht er das Land und die Kommunen in der Pflicht, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen – und zwar für jeden.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 08.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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