Reinhard Klimmt  (Foto: SR/Ulli Wagner)

Über das Leben, Leidenschaften und Oskar Lafontaine

Ulli Wagner   16.08.2022 | 12:30 Uhr

Die Ministerpräsidentin hat schon gratuliert, andere auch schon und jetzt ist die Familie dran. Reinhard Klimmt. Der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende und kurzzeitige Ministerpräsident des Saarlandes feiert am 16. August seinen 80 Geburtstag. Vor dem Feier-Tag hat er sich mit SR-Reporterin Ulli Wagner über sein bewegtes Leben unterhalten.

"Ich habe einiges hinter mir, aber das habe ich alles gut überstanden. Im Moment bin ich so, sagen wir mal, im grünen Bereich." (Reinhard Klimmt)

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Über das Leben, Leidenschaften und Oskar Lafontaine
Audio [SR 3, Ulli Wagner, 16.08.2022, Länge: 03:15 Min.]
Über das Leben, Leidenschaften und Oskar Lafontaine
SR-Reporterin Ulli Wagner hat sich mit Reinhard Klimmt über sein bewegtes Leben unterhalten.

Das ist ja schon mal was, wenn man das mit 80 noch sagen kann. Vielleicht hat das auch was damit zu tun, dass dieser Reinhard Klimmt sich viel in der Natur aufhält. Immer wieder ist die rote Ente am Osthafen zu sehen, wo er mit dem Hund spazieren geht.

Von den Touren bringt er manchmal auch was mit – Brombeeren sind es gerade. "Die Beziehung zur Natur oder das Entdecken, wenn meine Frau mich fragt, ob die Nachtigallen schon da sind. Das sind Bereiche, die gehören einfach auch mit dazu. Das macht richtig Freude" sagt Klimmt.

Geschichte - bis heute ein Steckenpferd

Geboren wurde der Wahl-Saarländer am 16. August 1942. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Osnabrück. In der niedersächsischen Bischofsstadt hat er auch das Abi gemacht, bevor er dann an die Universität des Saarlandes kam und hier Geschichte studierte. Und die ist bis heute eines seiner Steckenpferde. Auch in seinem liebsten Hobby, das längst ein Beruf ist: Buchhändler und Antiquar.

Lebenslange Leidenschaft für Bücher

Bücher liegen auf einer Treppe bei Ex-Ministerpräsident Reinhard Klimmt (Foto: Ulli Wagner)

Klimmt sammelt mit Leidenschaft alte Bücher und ich habe ihn in den letzten Jahren regelmäßig auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt getroffen. Oder bei der ein oder anderen Buchpräsentation hier im Land. "Wie immer bin ich irgendwo am Schreiben", sagt Klimmt.

Gerade arbeitet er an einem Buch darüber, wann, wo und wie sich Demokratie und Freiheit im Saarland entwickelt haben. Das ist sehr spannend und brandaktuell obendrein. Auch viele seiner Ehrenämter haben etwas mit Büchern und mit Kultur zu tun, manche mehr mit seiner Partei, der SPD.

Aufstieg eines Sozialdemokraten

Reinhard Klimmt wurde 1964 Mitglied bei der SPD, also mit 22, und er ist immer noch eng mit der Partei verbunden. Er war Juso-Chef im Saarland, zwei Jahrzehnte Vorsitzender der SPD Saarbrücken und noch länger Mitglied der SPD-Medienkommission und jahrelang deren Vorsitzender auf Bundesebene.

Reinhard Klimmt und Oskar Lafontaine

Und Reinhard Klimmt war vor allem immer eines: der Mann vor, neben und hinter Oskar Lafontaine. Der Mann, der Lafontaine den Rücken frei hielt und im Hintergrund die Strippen zog und dafür sorgte, dass die Reihen geschlossen bleiben. Auf meine Frage, woran er sich aus seinem politischen Leben am liebsten erinnert, sagt er sofort: "Das ist die Zusammenarbeit mit Oskar."

Das Verhältnis heute

Dabei haben die beiden Weggefährten sich deutlich auseinander gelebt und manchmal auch gestritten, in den letzten Jahren. Aber das war einmal, sagt der Jubilar. "Ja, es hat sich wieder verbessert. Jetzt, nachdem wir beide ausgeschieden sind aus dem aktiven politischen Leben, nähern wir uns auch wieder an. Also ich seh ihn wieder öfter und freue mich, wenn ich ihn sehe."

Stolz auf gemeinsame Erfolge

Die politischen Erfolge des Reinhard Klimmt sind eng mit Oskar Lafontaine verknüpft. Und wenn er an die gemeinsame Zeit und die Erfolge denkt, da wird der sonst eher bescheidene Mann auch heute noch stolz. "Also es gibt, wenn ich hier durchs Land fahre, viele Plätze, wo ich sage, das gäbe es ohne mich nicht" erzählt der ehemalige Ministerpräsident.

Errungenschaften für das Saarland

Zum Beispiel das Zeitungsmuseum Wadgassen, die Bundesförderung fürs Weltkulturerbe Völklingen oder auch die „Verspannung“ der B269 neu zwischen Überherrn und Saarlouis. Für die war Klimmt als Bundesverkehrsminister von September 1999 bis November 2000 zuständig. Zuvor war er für gut zehn Monate Ministerpräsident des Saarlandes - nachdem sein Freund Oskar als Super-Minister ins Kabinett Schröder gewechselt war.

Beides seien tolle Erfahrungen für ihn gewesen, sagt Reinhard Klimmt heute noch, aber sie sind eben auch mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden. "Das eine war die Niederlage bei der Wahl 1999 und dann auch der in meinen Augen unnötige, aber dann letztlich doch unvermeidbare Rücktritt" erinnert sich Klimmt. Der hatte etwas mit der Doerfert-Affäre zu tun und mit dubiosen Zahlungen an den 1. FC Saarbrücken, dessen Präsident Klimmt ehrenamtlich war und zu dem er immer noch steht: "Hach, wie denn nicht. Das ist ein Teil meines Lebens."

Klimmts Herzensverein ist der 1. FC Saarbrücken

Klimmt ist das beste Beispiel für den Slogan der Blau-Schwarzen – Liebe kennt keine Liga - und zwar Seit an Seit mit seiner Frau! "Man kann ja alles wechseln. Man kann die Automarke wechseln, und man kann die Hemden wechseln und die Mode wechseln. Aber den Verein niemals. Und mein Verein ist der FC Saarbrücken. Egal, wo wir spielen. Wir sind dabei", beschreibt Klimmt seine Liebe zum FCS.

"Ich würde mein Leben nicht anders führen"

Und wenn der dreifache Vater und vierfache Opa nun noch mal zurückschaut, auf sein Leben, auf 80 Jahre Reinhard Klimmt – würde er, und wenn ja, was anders machen?

"Ja, die Kleinigkeiten, die mich da zu Fall gebracht haben, die würde ich natürlich anders machen. Aber ansonsten würde ich mein Leben nicht anders führen. Ich bin mit dem, wenn ich hier zurückblicke, durchaus zufrieden."


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Geboren wurde er in Berlin, aber das Saarland ist für Reinhard Klimmt längst Heimat geworden. Seit seinem Rückzug aus der Politik ist der ehemalige saarländische Ministerpräsident vor allem als Publizist aktiv. Auch rund um seinen 80. Geburtstag.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 16.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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