Die Zapfsäule einer Wasserstoff-Tankstelle (Foto: picture alliance/Sebastian Kahnert/zb/dpa)

Saarland soll Modellregion für Wasserstoff werden

Peter Sauer   03.07.2020 | 16:30 Uhr

Wasserstoff hat viel Potenzial – sowohl mit Blick auf den Klimaschutz als auch für die Wertschöpfung in der Zukunft. Das Saarland will Wasserstoff-Modellregion werden. Unter der Leitung des Wirtschaftsministeriums sollen 24 Unternehmen konkrete Projekte ausarbeiten – die der Bund dann womöglich fördert. Ein langer Prozess, bei dem es mehr als einen Stolperstein gibt.

Das Saarland will auf Wasserstoff setzen
Audio [SR 3, Peter Sauer, 03.07.2020, Länge: 03:02 Min.]
Das Saarland will auf Wasserstoff setzen
Der Kohleausstieg ist besiegelt. Bis 2038 soll die der Energieträger Kohle in Deutschland Geschichte sein. Für viele Experten sehen im Wasserstoff nun den Energielieferant der Zukunft, denn beim Verbrennen entstehen keine klimaschädlichen Abgase. Das Saarland will bei der Entwicklung ganz vorne mit dabei sein, ja sogar Wasserstoff-Modell-Region werden. Doch der Weg dahin dürfte holprig werden.

In Saarbrücken Gersweiler sollte sie eigentlich entstehen: die erste Wasserstofftankstelle im Saarland. Aber die Untere Bauaufsicht hat das Prestige-Projekt erstmal gestoppt – benötigt für die Genehmigung weitere Unterlagen. Sehr zum Ärger von Wirtschaftsministerin Rehlinger. Damit habe das Land kein gutes Bild abgegeben. Das Saarland sei das Land der kurzen Wege und damit werde hier auch geworben, denn "das ist auch ein großes Ansiedlungsargument, was wir ganz oft auch bestätigt bekommen", sagt die Ministerin.

Doch von solchen kleinen Hindernissen lässt man sich natürlich nicht ausbremsen. Wasserstoff bietet nämlich einen ganz großen Vorteil: Beim Verbrennen entstehen keine Abgase, sondern nur glasklares Wasser. Vor allem im Schwerlast- und Busverkehr könnte die klimafreundliche Brennstoffzellen-Technologie schon mittelfristig eingesetzt werden – wenn die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung steht.

Das Saarland will Modellregion für Wasserstoff werden

Beim Bund gibt es gut gefüllte Fördertöpfe für die Entwicklung der Technologie und die sind natürlich sehr interessant. Nach Aussage von Rehlinger gibt es schon eine ganze Reihe von Ideen, die nun geprüft und weiter entwickelt werden müssen. "Wir sind gut unterwegs und haben auch Chancen, bei denen zu sein, die als erstes auch Zuschläge erhalten“, sagt sie. Doch das Ganze werde sich natürlich über Jahre hinziehen.

Aktuell sind 24 Unternehmen im Land an dem Projekt Wasserstoff beteiligt und das Wirtschaftsministerium will die Lenkung- und Steuerung der beteiligten Unternehmen übernehmen.

Kernstück: Wasserstoffproduktion im industriellen Maßstab

Kernstück der angestrebten Wasserstoff-Modellregion ist das geplante HydroHub im Kraftwerk Völklingen Fenne. Hier soll Wasserstoff im industriellen Maßstab produziert werden – dank einer Förderung des Bundes. Allerdings wartet der Betreiber Steag seit Monaten auf den endgültigen Förderbescheid. Das saarländische Wirtschaftsministerium hofft, dass das HydroHub 2023 an den Start gehen kann.

Wasserstoff-Verteilernetz

Auch die Firma Creos aus Homburg ist bei dem Wasserstoff-Projekt mit im Boot. Creos betreibt im Saarland und in Rheinland-Pfalz rund 1.600 Kilometer Gasleitungen. Die könnten womöglich auch für Wasserstoff genutzt werden. Denn ein funktionierendes Verteilernetz ist für eine Wasserstoff-Wirtschaft entscheidend. In einem grenzüberschreitenden Projekt plant Creos, ein 75 Kilometer langes Wasserstoff-Netz vom Saarland durch Frankreich bis nach Luxemburg. Mit einer Machbarkeits-Studie solle jetzt aber erst mal geklärt werden, unter welchen Bedingungen das möglich sei, sagt Norman Blaß von Creos. Dabei gehe es zum Beispiel darum, ob in dem historisch gewachsenen Netz die Armaturen, Ventile und auch Maschinen zur Druckregelung für die Durchleitung von Wasserstoff geeignet seien.


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