Outdoor-Laden (Foto: SR)

Was dem Einzelhandel das Leben schwer macht

Kleine Läden kämpfen ums Überleben

Lisa Krauser/Onlinefassung: D. Scherer   12.12.2022 | 12:40 Uhr

Die großen Warenhäuser stecken in der Krise. Zuletzt hieß es, daß beispielsweise auch die Karstadt-Filiale in Saarbrücken zu den Wackelkandidaten gehört. Und auch viele kleine Läden im Saarland müssen ums Überleben kämpfen - und das nicht allein wegen der Konkurrenz durch den Online-Handel. Die Gründe sind vielfältig.

Ein Outdoor-Laden in Saarlouis. Eine beliebte Adresse bei Outdoor-Fans - auch über das Saarland hinaus. Seit 14 Jahren wird er von Andreas Krautkrämer betrieben. Doch nun steht sein Geschäft möglicherweise vor dem Aus - und das trotz guter Umsätze.

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Was dem Einzelhandel das Leben schwer macht
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 12.12.2022, Länge: 03:12 Min.]
Was dem Einzelhandel das Leben schwer macht

Erwartungen an die Stadt

Andreas Krautkrämmer findet, dass dem Einzelhandel generell Steine in den Weg gelegt werden. Beispiel: die Auflagen für Werbung. Nur für das Aufstellen einer Fahne vor seinem Geschäft müsse er ziemlich viel Geld bezahlen. Das seien Regularien, die einem das Leben schwer machen würden.

Krautkrämer wünscht sich mehr Austausch mit der Stadt - und einen Plan, wie die Innenstädte wieder attraktiver werden können. Zum Beispiel durch kostengünstige oder kostenlose Parkmöglichkeiten, durch Events in der Stadt und generell "die Stadt einfach nochmal herrichten, weil es an vielen Ecken einfach katastrophal aussieht und da nicht wirklich was getan wird."

Dass Saarlouis längst nicht mehr das ist, was es mal war - die Stadt mit feinsten, auserwählten Geschäften - das sehen auch andere Ladenbetreiber so. Etwa die Inhaberin einer kleinen Boutique. Und auch viele Passanten in Saarlouis sind der Meinung: Wirklich attraktiv ist die Saarlouiser Geschäftswelt nicht mehr.

Online-Handel ist nicht die Ursache

Mit dem Onlinehandel habe die schwere Zeit, die der Einzelhandel gerade erlebt, weniger zu tun - sagt Krautkrämer. "Gerade nach den Lockdowns ist mir wieder aufgefallen: Die Kunden wollen nochmal den Fachhandel, die wollen die Beratung. Wir haben das ganz stark gemerkt bei Fahrradhelmen, Wanderschuhen, da ist eine Beratung und eine Anprobe vor Ort essentiell." Und tatsächlich ist der Boom des Onlinehandels nach den ersten beiden Corona-Jahren auch wieder abgeflacht.

Keine generelle Krise, aber auch kein Einzelfall

Doch damit haben sich die aktuellen Probleme der Geschäfte vor Ort nicht aufgelöst. Aktuell halten sich viele generell mit Einkäufen zurück - ob über's Internet oder vor Ort in den Geschäften. Krautkrämer macht die aktuelle Lage dafür verantwortlich. Viele seien komplett verunsichert, was finanziell noch alles auf sie zukomme, so sein Eindruck. Dazu kommen massive Lieferverzögerungen bei den Waren und teilweise kämpfen die Läden auch mit steigenden Mieten.

Eine generell Krise gibt es laut Einzelhandelsverband im Einzelhandel nicht. Er sei aber kein Einzelfall, sagt Andreas Krautkrämer. Er kenne zwei Outdoor-Läden, die zurzeit am kämpfen seien. Bei ihm um die Ecke hätte gerade der Hobbyladen zugemacht. Vor ein paar Wochen der Unverpacktladen. Jetzt das Hutgeschäft. Alles Läden, die es viele Jahre gegeben habe, denen aber einfach die Perspektive weggebrochen sei.

Ob es für Krautkrämer und seinen Outdoor-Laden noch eine Perspektive gibt, wird sich zeigen. Er steht im Gespräch mit möglichen Investoren.


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Weihnachtszeit ist Einkaufszeit. Aber wo kaufen die Saarländerinnen und Saarländer ein? Vor Ort oder doch lieber im Internet? Was spricht dafür? Was dagegen? Wie geht es dem Einzelhandel bei uns? Was macht ihm das Leben schwer? Wie attraktiv sind die unsere saarländischen Innenstädte? Und welche Konzepte gibt es, um mit dem Online-Handel mithalten zu können?

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 12.12.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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