Streichert-Clivot  (Foto: SR)

Ein Jahr im Amt: Christine Streichert-Clivot

Kommentar zur Bildungs- und Kulturpolitik der Ministerin

Stephan Deppen/Barbara Grech   18.09.2020 | 12:30 Uhr

Am 18. September 2019 hat die SPD-Politikerin Christine Streichert-Clivot das Ministerium von Ulrich Commerçon übernommen und ist seitdem als Ministerin unter anderem für die Bildungs- und Kulturpolitik im Saarland verantwortlich. Eine erste Zwischenbilanz nach einem Jahr Amtszeit.


Die Bildungspolitik


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Kommentar: Ein Jahr Bildungspolitik von Streichert-Clivot
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 18.09.2020, Länge: 01:50 Min.]
Kommentar: Ein Jahr Bildungspolitik von Streichert-Clivot
Eine kommentierende Zwischenbilanz zu Bildungspolitik der Ministerin von SR-Bildungsexperte Stephan Deppen.

"Das kann sich sehen lassen"

Ein Kommentar von Stephan Deppen

SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Stephan Deppen

Christine Steichert Clivot geht die Dinge, anders als ihr Vorgänger, eher leise an. Das aber mit beachtlichem Erfolg. Die Bildungspolitik des vergangenen Jahres stand, wie fast alle Lebensbereiche, unter dem beherrschenden Eindruck der Corona-Pandemie. Und da hat die Ministerin das gemacht, was von ihr erwartet worden, aber keine Selbstverständlichkeit gewesen war.

Sie hat - zusammen mit vielen anderen im Ministerium, bei den Schulträgern und mit Lehrern - dafür gesorgt, dass der Schulbetrieb nicht zusammengebrochen ist. Die Lernplattform "Online Schule Saarland" ist ans Laufen gekommen. Angesichts von Kurzfristigkeit und manch anderen Widrigkeiten vergleichsweise problemlos. Sie hat den Abiturienten ein reguläres Abitur ermöglicht, hat in enger Zusammenarbeit mit Sozialministerium und Kreisen die Schulsozialarbeit ausgebaut und 350 Lehrerstellen mehr dem Finanzminister aus den Rippen geleiert als ursprünglich geplant.

Das kann sich sehen lassen und der Erfolg der sozialdemokratischen Bildungspolitik im Lande schlägt sich inzwischen auch positiv in nationalen Studien nieder.

Klar, es gab auch Kritik. Manche war berechtigt im Zusammenhang mit der Umsetzung der Corona-Maßnahmen, manche war auch übertrieben. Christine Streichert-Clivot hat sich aber nicht provozieren lassen und argumentativ nachgelegt und ihre Linie beibehalten. Und sie hat 500 Lehrer motiviert, während der Sommerferien ihre digitalen Kompetenzen auszubauen - für ein besseres Gelingen von Unterricht in Corona-Zeiten.

Kürzlich aber hat dann doch die Partei- über die Bildungspolitikerin die Oberhand gewonnen. Den Versuch, die unselige G8/G9- Diskussion wieder von vorn zu beginnen, hat sie nur halbherzig pariert - so wie die SPD seit Jahren versucht, eine klare Position dazu zu vermeiden.

Wir haben gerade andere Sorgen in den saarländischen Schulen - und die scheinen aktuell bei der Ministerin gut aufgehoben. Aufs Einjährige einen Ricard!

Ein Kommentar von Stephan Deppen


Die Kulturpolitik


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Kommentar: Ein Jahr Kulturpolitik von Streichert-Clivot
Audio [SR 3, Barbara Grech, 18.09.2020, Länge: 01:36 Min.]
Kommentar: Ein Jahr Kulturpolitik von Streichert-Clivot
Eine kommentierende Zwischenbilanz zur Kulturpolitik der Ministerin von SR-Kulturreporterin Barbara Grech.

"Wir brauchen eine aktiv gestaltende Kulturministerin"

Ein Kommentar von Barbara Grech

Barbara Grech (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Barbara Grech

Nein, man kann wahrlich nicht sagen, dass Christine Streichert-Clivot als Kulturministerin Akzente gesetzt, geschweige denn etwas voran gebracht hat, bei den vielen Bausstellen, die es nach wie vor in der Kulturpolitik gibt. Sicher: Vieles ist auch Corona geschuldet. Andauernder Krisenmodus und es gibt keine starke Persönlichkeit in ihrem Ministerium, die die Kulturpolitik vorantreiben könnte.

Schon der Einstieg der Ministerin war bescheiden: Man wolle sich um die Breitenkultur kümmern. Und das, obwohl beispielsweise in der Industriekultur so ziemlich alles im Argen liegt.

Dann kam Corona, die Ministerin empfahl allen Ernstes, die darbenden Künstler sollten doch Hartz IV beantragen und setzte später, nachdem sie merkte, dass dieser Schuss nach hinten los gegangen ist, ein Förderprogramm für Künstler auf, das so gut wie nicht abgerufen wurde, weil zu kompliziert und an den Bedürfnissen der Künstler vorbei.

Nun könnte man sagen, immerhin: Die Berufung von Ralf Beil zum Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte war doch gelungen. Ja, aber das hat noch ihr Vorgänger, Ulrich Commerçon, eingetütet. Die Berufung von Andrea Jahn als künstlerischen Leiterin der Stiftung saarländischer Kulturbesitz geht auf ihr Konto. Ob diese Berufung gut ausgeht? Sagen wir mal: Es ist ein Experiment - Ausgang offen.

Ansonsten müsste man, sprich Frau Streichert-Clivot, sich mal endlich kümmern: Wir brauchen ein vernünftiges Konzept für die Industriekultur, das auch endlich mal umgesetzt wird. Wir brauchen eine Anschlussfinanzierung des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, die ebenfalls offen ist. Und wir brauchen ein Festival-Konzept. Auch da lässt die Ministerin alles schleifen. Ob das neue Festival "Resonanzen" ein Erfolg wird? Skepsis ist angesagt und die Rolle der "Musikfestspiele Saar" ist ebenfalls nicht geklärt. Corona hin - Bildungspolitik her: Wir brauchen eine aktiv gestaltende Kulturministerin.

Ein Kommentar vom Barbara Grech

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