Demonstration der „Aufstehen“–Bewegung in Saarbrücken im Oktober 2018 (Foto: SR/Carolin Dylla)

Noch Leben an der Basis

Frauke Feldmann / Onlinefassung: Axel Wagner   04.09.2019 | 13:02 Uhr

Sie wollten aufstehen: für soziale Themen, gegen den Neoliberalismus und linker Politik den Rücken stärken. Nach großer Ankündigung ging vor einem Jahr die Sammelbewegung „Aufstehen“ an den Start. Auch im Saarland wurde wenig später ein Ableger gegründet. Doch inzwischen ist es ruhig geworden um die Initiative, von der Bewegung hört und sieht man – zumindest in Medien – wenig. An der Basis ist sie aber nach wie vor aktiv.

Einmal im Monat treffen sich die Ortsgruppen Saarlouis und Merzig, um gemeinsam über künftige Projekte abzustimmen. 13 Mitglieder sind diesmal dabei. Es geht es um einen Internetauftritt, denn bei der Kommunikation hakt es noch bei „Aufstehen“, sagt Gerd Heisel, der damals das erste Treffen initiiert hatte.

Viele Kundgebungen und Filmabende

Ein Jahr "Aufstehen"
Audio [SR 3, Frauke Feldmann, 04.09.2019, Länge: 03:15 Min.]
Ein Jahr "Aufstehen"

„Vordringlich ist, dass wir unsere Arbeit besser koordinieren“, sagt Heisel, „dass wir Regionalgruppen im Saarland zusammenführen, gemeinsame Aktionen planen und einfach effektiver werden. Das Zweite ist, dass wir das, was uns als ‚aufstehen‘ bewegt, auch besser koordinieren in der Öffentlichkeit.“

Zu den häufigsten Aktionen gehören Kundgebungen und Filmabende – zuletzt ging es um den Pflegenotstand oder die Rüstungspolitik. Auch fremde Veranstaltungen werden unterstützt, wie die Proteste bei Halberg Guss oder die Kampagne gegen die Airbase Rammstein. Die Mitglieder organisieren sich komplett selbst, auch ihre Finanzierung. Das sei nicht immer leicht, sagt Schriftführerin Kirsten Drost. „Viele Menschen, die zu unseren Treffen gekommen sind, haben erwartet, hier einen Spaten in die Hand zu bekommen und gleich loslegen zu können“, so Drost. „Das funktioniert so nicht. Es gibt niemanden, der uns einen Handlungsleitfaden in die Hand gibt, der uns Arbeitsaufträge gibt. Die müssen wir uns selbst erarbeiten. “

Hohe Erwartungen zum Start

Nach dem offiziellen Startschuss der Sammelbewegung Anfang September 2018 waren die Erwartungen hoch. Mitbegründerin Sarah Wagenknecht (Linke) und ihre Mitstreiter wollten eine überparteiliche Basis schaffen – für eine linke Mehrheit. Doch die Parteispitzen von Linken, SPD und Grünen mauerten. Inzwischen hat sich Wagenknecht selbst aus der Führung von Aufstehen zurückgezogen.

Beobachter halten die Bewegung für gescheitert. An der Basis sieht Christiana Schwaab das anders. „Was die da oben in Berlin machen, ist mir eigentlich egal. Es geht doch darum, was ich für mich, für meine Familie, für unsere Zukunft haben möchte. Und das ist ‚aufstehen‘, dass wir einfach den Druck für eine linke Politik erhöhen müssen. Und deshalb bin ich noch dabei.“

Viele parteilose Mitglieder

Im Saarland hat die Bewegung acht Ortsgruppen und gut 1700 Mitglieder. Die meisten sind parteilos, wollen sich aber für soziale Themen engagieren – ein Erfolg, meint Sprecher Martin Sommer. „Wir können zufrieden sein in dem Sinne, dass wir sehr viele Menschen erreichen, die ansonsten nicht in Parteien aktiv waren. Dass wir viele Leute erreichen wie Gewerkschafter, Künstler, Menschen, die sich ansonsten nicht so vertreten fühlen von den Parteien des linken Spektrums. Und dass wir halt insgesamt auch durch größere Veranstaltungen im letzten Jahr geschafft haben, das Thema auch in Medien zu bringen.“

Mit Blick auf aktuelle politische Ereignisse in Berlin halten auch Unterstützer wie Oskar Lafontaine „Aufstehen“ nach wie vor für aktuell. „Es ist zu befürchten, dass die jetzige ökonomische Entwicklung wieder zu falschen Entscheidungen in Berlin führt. Die CDU ist ja völlig von der Rolle, fordert weitere Unternehmenssteuersenkungen für die, die schon viel haben, gleichzeitig eine Senkung der Arbeitslosenbeiträge. Das ist alles nur noch irre. Wenn solche Entscheidungen kommen, muss ‚aufstehen‘ wirklich wieder auf die Straße gehen und mobilisieren.“

Dabei könnte der gemeinsame Internetauftritt der Ortsgruppen helfen, der bald online gehen soll. Die Mitglieder hoffen, dass sie so vielleicht noch mehr Menschen im Saarland zum „Aufstehen“ bewegen können.

Video [aktueller bericht, 03.09.2019, Länge: 2:33 Min.]
Ein Jahr Initiative "Aufstehen" im Saarland

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 04.09.2019 berichtet.

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