Neben einer Jacke des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hängt eine Jacke des Technischen Hilfswerks (THW) (Foto: picture alliance / ZB | Arno Burgi)

Das Ehrenamt soll gestärkt werden

Lisa Krauser   09.06.2022 | 16:30 Uhr

Ob Sport- oder Musikverein, ob Telefonseelsorge oder Tafel, ob THW oder Rotes Kreuz - ohne Ehrenamtliche läuft nichts. Eine aktuelle Erhebung aus dem Bundesfamilienministerium zeigt nun: Das ehrenamtliche Engagement im Saarland geht zurück. Dagegen will Innenminister Reinhold Jost etwas tun.

Viele, die sich lange Jahre ehrenamtlich engagiert haben, ziehen sich langsam aus Altersgründen zurück. Junge Leute rücken kaum nach und denen, die noch dabei sind, wird es mitunter einfach zu viel. Ein Problem, mit dem viele Vereine und Initiativen kämpfen. Ohne ausreichende ehrenamtliche Unterstützung kommen sie schnell an ihre Grenzen. Ein Problem, das es in ganz Deutschland gibt - auch bei uns im Saarland.

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Innenminister will das Ehrenamt im Saarland stärken
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 09.06.2022, Länge: 03:10 Min.]
Innenminister will das Ehrenamt im Saarland stärken

Jost will Abwärtstrend entgegenwirken

Das zeigt nun auch das Ergebnis einer Erhebung, die das Bundesfamilienministerium veröffentlicht hat. Demnach geht jeder dritte Mensch im Saarland über 14 Jahren einem Ehrenamt nach. Das sind jedoch sieben Prozent weniger als noch 2014. Ein Abwärtstrend, dem Innenminister Reinhold Jost entgegenwirken will. Den Menschen soll wieder Lust aufs Ehrenamt gemacht werden und es soll auch eine gewissen Anerkennung zum Ausdruck gebracht werden.

Thema beim nächsten Landkreistag

Wie genau die Leute motiviert werden sollen und wie diese Anerkennung aussehen kann, will Jost nicht im Ministerium alleine entscheiden. Er will mit Vereinen, Verbänden, Ortsvorstehern und Landkreisen sprechen, um gemeinsam zu erarbeiten, welche Anreize sinnvoll sind. Bereits beim in Kürze anstehenden Landkreistag will er das Thema ansprechen und noch vor der Sommerpause sollen Gespräche mit Verbänden wie "Wir im Verein mit dir" und der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt stattfinden.

Pro Ehrenamt: "Der Weg ist richtig gut,"

Ein guter Anfang, findet Armin König, der Präsident der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt und Bürgermeister von Illingen. "Der Weg ist richtig gut, weil dort kennt man sich aus. Dort weiß man, wo der Schuh drückt und wo die Perspektiven sind." Dass der Innenminister das Ehrenamt stärken wolle, sei eine wichtige Botschaft, und dass dies gleich zu Beginn seiner Amtszeit passiere, ein wichtiges Signal.

Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte Pro Ehrenamt gefordert, dass die ehrenamtliche Arbeit im Saarland besser gefördert werden müsse. Vor allem nach den zwei harten Jahren Pandemie.

Ehrenamt kämpft mit vielen Problemen

Aber die Folgen der Pandemie sind nicht das einzige Problem beim Ehrenamt. Hinzu komme der demografische Wandel und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sagt König. Auch die Vereinsarbeit an sich ist für viele nicht mehr so attraktiv wie früher. Das hänge zum Teil auch mit den hohen Auflagen und der Bürokratie zusammen. Datenschutzgrundverordnung und vieles andere mehr sei für die Vereine ein ganz großes Hindernis, sagt König.

Er vertritt darüber hinaus die Auffassung, dass auch seitens der Arbeitgeber mehr Rücksicht auf ehrenamtliche Arbeit genommen werden sollte, denn "Ehrenamt ist wichtig", sagt er. Zudem sollte es für die Vereine mehr Geld vom Land geben.

Und natürlich das liebe Geld...

Auf eine konkrete Summe will sich Innenminister Jost derzeit nicht festlegen. Eine Pauschalsumme sei nicht zielführend, sagt er. Man müsse sich erst genau ansehen, "wo brauchen wir was, und wie kann man das aktivieren".

Deshalb beteiligt sich das Saarland auch an einer zweiten Studie, der sogenannten ZiViZ-Studie 2022. Sie soll weitere Erkenntnisse bringen, warum das ehrenamtliche Engagement immer mehr zurückgeht.


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