Eine Lehrerin unterrichtet mithilfe moderner Technik (Foto: dpa/Armin Weigel)

Wie steht es um die Digitalisierung im Saarland?

Eva Lippold / Onlinefassung: Axel Wagner   16.01.2019 | 16:07 Uhr

Hoher Besuch an der skandalgeschüttelten Bruchwiesenschule – die EU-Kommissarin für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Mariya Gabriel ist extra ins Saarland gereist, um sich dort das Vorzeigeprojekt „Digitale Lernwelten Saar“ anzuschauen.

Ein gemeinsamer Lernort im Internet - jeder, der sich einloggt, kann die Plattform mitgestalten, Materialien hochladen, die Schüler können per Mausklick Vokabeln trainieren oder interaktive Wissenstest machen. Und wer was verpasst hat, kann es hier nachschlagen. Ein Vorzeigeprojekt, findet auch die EU-Kommissarin.

„In Europa brauchen wir dringend solche Projekte“, sagt sie. „Diese Plattform ist ein großartiges Beispiel, wie Lehrer, Schüler und Eltern Hand in Hand arbeiten können. Mein Wunsch ist, dieses Projekt in ganz Europa sichtbar zu machen – vielleicht mit dem Europäischen Digital-Award.“ 

Übergreifendes Lernen möglich

Digitalisierung in der Schule
Audio [SR 3, Eva Lippold, 16.01.2019, Länge: 03:05 Min.]
Digitalisierung in der Schule

Gegründet wurde die digitale Bildungsplattform bereits vor 15 Jahren gemeinsam von Lehrern, Eltern und Schülern an der Gemeinschaftsschule Bellevue, unterstützt vom Kultusministerium und von Microsoft. 45 Schulen, sechs Unis und weitere Bildungseinrichtungen sind beteiligt. Und so ist auch schul- und sogar länderübergreifendes Lernen möglich. An der Gemeinschaftsschule Bruchwiese etwa arbeiten deutsche und französische Schüler dort gemeinsam an einem Projekt über den Ersten Weltkrieg.

Für Schulleiterin Pia Götten ist das Projekt eine willkommene Ergänzung zum analogen Unterricht. „Es ist kein Zufall, dass das Projekt ausgerechnet an der Bruchwiese vorgestellt wird. Letztes Jahr bekam die Schule mit einem Brandbrief der Lehrer bundesweite Aufmerksamkeit.“ Der hohe Besuch, so Götten, biete nun die Chance, positive Schlagzeilen zu machen. „Die Schüler jedenfalls sind froh und finden das Lernen mit der Software richtig super.“

Immer noch kein Alltag

Allerdings: Zum Alltag gehört der Umgang mit digitalen Medien an saarländischen Schulen noch lange nicht. Wifi, also drahtloses Internet – in Deutschland auch WLAN genannt – ist immer noch fast flächendeckend Fehlanzeige – immerhin bis Ende 2019 aber sollen alle saarländischen Schulen ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Ein dringend notwendiger Schritt – sagt die EU-Kommissarin.

„Wenn wir jetzt nicht handeln – in fünf Jahren ist es zu spät. Der Zug fährt schon. An uns liegt jetzt die Entscheidung, auf ihn aufzuspringen, ihn zu steuern und zu sagen, in welche Richtung es gehen soll. Wir müssen handeln, und zwar jetzt. Gut und schnell.“

Geld hat aber auch die EU-Kommissarin erst einmal nicht in Aussicht gestellt. Und so ist es in erster Linie dem Engagement einiger Lehrer und Eltern zu verdanken, dass die Schüler der Bruchwiesenschule schon 2019 den Umgang mit digitalen Medien lernen können.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Region am Mittag vom 16.01.2019 berichtet.

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