Zwei Personen stoßen in einer Kneipe mit Bier in der Flasche an.  (Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Dehoga beklagt Gaststättensterben

Oliver Buchholz / Onlinefassung: Axel Wagner   27.08.2019 | 12:00 Uhr

„Es gibt kein Bier auf Hawaii“ heißt es in einem bekannten Schlager. Tatsache ist aber: Auch in Deutschland bekommt man auf dem Land immer seltener Bier. In vielen Ortschaften gibt es nur noch eine, manchmal sogar überhaupt keine Kneipe mehr. Ein Phänomen, mit dem sich auch der Verband der Hotel- und Gaststättenbetriebe im Saarland (Dehoga) beschäftigt.

„Das Rauchverbot hat seins getan, und die Leute verdienen weniger“, resümiert Doris Kallenborn. Sie betreibt ein Gasthaus in Dorf im Bohnental. Ohne das Anbieten von Speisen könne sie wirtschaftlich nicht überleben. Ihre Gaststätte ist die letzte in dem 300-Seelen-Ort.

Dehoga: Politik macht Wirten das Leben schwer

Dehoga beklagt Kneipensterben im Saarland
Audio [SR 3, Oliver Buchholz, 27.08.2019, Länge: 03:00 Min.]
Dehoga beklagt Kneipensterben im Saarland

Wie Kallenborn kämpften auch viele andere Gaststättenbetreiber, vor allem auf dem Land, ums Überleben, sagt Gudrun Pink, Präsidentin des Dehoga Saarland. Die neue Brandschutzverordnung, die Digitalisierung, die Datenschutzverordnung seien nur einige der Themen, die den Betreibern das Leben schwer machten. Hinzu komme noch das starre Arbeitszeitgesetz, so Pink.

Der Aufwand sei einfach zu groß, sagt auch Kneipenwirtin Kallenborn. „Lieber habe ich kein Personal.“

Gäste bleiben aus

Auflagen und die strenge Zeiterfassung sind die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite blieben aber auch die Gäste aus, sagt Kallenborn. Als ihre Eltern das Gasthaus in den 60er Jahren eröffneten, seien Bergleute die Hauptkunden gewesen. Früher habe sie von jedem Arbeiter gewusst, welche Schicht er hat. Die Leute seien zu ihr gekommen, hätten gegessen und Karten gespielt. „Das ist alles vorbei. Die Kneipenkultur an sich ist nicht mehr da.“

Dehoga fordert Änderungen

So kann das nicht weitergehen, hat nun die Dehoga beschlossen und fordert ein Erleichterungen und mehr Förderung. Vor allem bei Themen wie Baurecht und Brandschutz will Pink erreichen, dass den Wirten mehr Zeit und auch eine finanzielle Unterstützung gewährt wird. Als Beispiele nennt sie eine 20-prozentige staatliche Beteiligung oder einen Fonds. Darüber hinaus hätte der Verband gerne eine Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie auf sieben Prozent. Das würde finanziell helfen und möglicherweise auch die Suche nach Nachfolgern erleichtern.

DasGasthaus Kallenborn in Dorf im Bohnental wird nach Doris Kallenborn wohl keine Zukunft haben. „Ich muss arbeiten, bis ich umfalle“, sagt sie. „Die Tochter hat Krankenschwester gelernt. Sie wäre dumm, wenn sie es machen würde.“

Über dieses Thema hat auch die SR 3 „Region am Mittag“ vom 27.08.2019 berichtet.

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