Ein mit der Aufschrift «Wasserstoff» gekennzeichnete Rohrleitung ist in der Brennstoffzelle eines Wasserstoff-Kraftwerks. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Büttner)

Die Klima- und Industriepolitik des Landes

Das Jahr - die Meinung

Karin Mayer   22.12.2021 | 10:30 Uhr

Mehr tun für Klimaschutz - das will die neue Bundesregierung. Bis 2045 soll das Land klimaneutral werden. Im Saarland heißt das: Der nächste Strukturwandel kommt schneller als erwartet. Also sind Zukunftstechnologien gefragt. Das Land will auf Wasserstoff setzen. Ein Kommentar von Karin Mayer.

Wer wissen will, was aus Wasserstoff werden kann, der muss nach Homburg schauen. Die Stadtwerke Homburg wollen eine Wasserstofftankstelle bauen.

Homburg macht es vor

"Das Jahr - die Meinung": Klima- und Industriepolitik
Audio [SR 3, Karin Mayer, 20.12.2021, Länge: 02:55 Min.]
"Das Jahr - die Meinung": Klima- und Industriepolitik

Ein Elektrolyseur soll das wichtige Gas herstellen und an Autos und an Industriebetriebe liefern. Das Unternehmen Bosch setzt auf die mobile und die stationäre Brennstoffzelle. Wärme oder Strom - beides kann Wasserstoff liefern.

Die Bosch-Tochter Moehwald macht bereits in diesem Jahr die Hälfte des Umsatzes mit Prüftständen für die Brennstoffzelle also mit Wasserstofftechnik. Die Auftragslage ist gut, Wasserstofftechnik sichert die Jobs am Standort. Bisher aber nur in kleiner Zahl.

Sich neu erfinden...

Im großen Stil soll das auch bei der Stahlindustrie gelingen. CO2-neutral kann die Stahlerzeugung nur ohne Hochofen werden. Für die Traditionsbetriebe bedeutet das nicht mehr und nicht weniger als sich neu zu erfinden. Milliardeninvestitionen sind dafür nötig.

Wasserstoff eher kein Jobgarant

Die rund 400 Millionen Euro an Fördermitteln, die bisher zugesagt sind, sind nur ein Tropfen auf einen sehr heißen Stein. Dass die Vorproduktion, also die Herstellung von Eisenschwamm, ins Ausland verlagert wird, nach Kanada oder nach Frankreich, ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Heißt: Selbst mit Wasserstoff stehen Jobs auf der Kippe; und zwar in großer Zahl.

Nicht nur auf Wasserstoff setzen...

Dazu kommt: Im Fahrzeugbau muss das Land vielleicht nicht erst auf das Ende des Verbrenners warten. Der Ford-Konzern könnte schon vorher Fakten schaffen. Das wissen viele Menschen im Land und deshalb reicht es nicht allein, auf Wasserstoff zu setzen.

Hoffnungsträger?

Ansiedlung neuer Unternehmen und Zukunftsbranchen sind wichtig. Der Küchenhersteller Nobilia auf dem Lisdorfer Berg ist so ein Hoffnungsträger, aber auch der Batteriehersteller SVolt könnte neue Jobs schaffen, wenn man ihn lässt.

Mehr Mittelstand wagen...

Und nicht nur die Industrie hat Zukunft. Ausgründungen werden gebraucht und dabei sollte man nicht nur an die Hochschulen denken. Mittelständische Unternehmen können auch entstehen, wenn Beschäftigte aus der Industrie Ideen haben und sich selbständig machen. Mehr Mittelstand würde dem Land gut tun und könnte die Region weniger konjunkturabhängig machen.

Die Landespolitik ist gefragt...

Es wäre gut zu wissen, dass die Landesregierung an dieser Stelle an einem Strang ziehen würde. Die Zukunft des Landes ist wichtiger als Parteipolitik. Ein frommer Wunsch, ich weiß, vor allem kurz vor der Landtagswahl.

Die Meinung von Karin Mayer


Übersicht


Vom Umgang mit Ungeimpften, von der Klima- und Industriepolitik und mehr
Das Jahr, die Meinung
2021 war in vielerlei Hinsicht ein besonderes Jahr. Die SR 3-Reporterinnen und -Reporter schauen auf dieses Jahr im Saarland zurück und ziehen Bilanz. Was lief gut? Was hätte besser sein können? Alle Beiträge auf einen Blick.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 14.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja