Firmenschild des Recherchebüros Correctiv (Foto: Roland Weihrauch/dpa)

So kämpft Correctiv gegen Fake News

Axel Wagner / Mit Informationen von Renate Wanninger   16.06.2020 | 15:24 Uhr

Manchmal taucht in den SR-Nachrichten Correctiv als Quellenangabe auf. Dahinter verbirgt sich ein stiftungsfinanziertes Recherchenetzwerk. Dessen Chefredakteur Justus von Daniels erklärt im SR-Interview die Aufgaben, Arbeitsweise und Ziele.

So kämpft Correctiv gegen Fake News
Audio [SR 3, Renate Wanninger, 16.06.2020, Länge: 03:53 Min.]
So kämpft Correctiv gegen Fake News

40 Journalisten arbeiten für Correctiv in Berlin und Essen. „Wir machen im Grunde zwei Dinge“, sagt von Daniels. Zum Einen wäre das klassischer investigativer Journalismus, der in Deutschland und europaweit Missstände aufdeckt, auch solche struktureller Art. Als Beispiel nennt von Daniels hier den 2018 aufgedeckten Cum-Ex-Skandal. Dabei waren durch betrügerische Aktiengeschäfte fünf europäische Ländern Steuereinnahmen in Höhe von 62,9 Milliarden US-Dollar entgangen.

Als zweiten Arbeitsbereich für Correctiv nennt von Daniels Faktenchecks. Vor eineinhalb Jahren habe man sich dafür entschieden, gegen Fake News, also Falschnachrichten im Internet anzutreten. „Wir müssen mit unserer klassischen, journalistischen Sorgfaltspflicht dagegen halten und überprüfen, ob diese Nachrichten tatsächlich stimmen oder ob sie falsch sind.“ So erhielten Nutzer eine Möglichkeit, die Meldungen selbst einzuschätzen.

So prüft Correctiv

„Bei den Faktenchecks haben wir ein sehr komplexes System“, sagt von Daniels. Die Arbeit laufe auf mehreren Ebenen ab. „In erster Linie gucken wir uns an: Welche Artikel, die sehr dubios erscheinen, werden in den sozialen Medien besonders oft geteilt?“

In den vergangenen Wochen gab es beispielsweise ein merkwürdiges Gerücht über Kindermörder. „Xavier Naidoo hatte ein YouTube-Video gepostet darüber, dass Kinderblut getrunken wird von irgendwelchen Wirtschaftseliten. Das ist natürlich völliger Quatsch“, sagt von Daniels. Dieses Video sei aber 60.000 mal geteilt worden.

Analyse Stück für Stück

„Wir gucken uns an, welche dieser Nachrichten besonders oft gelesen werden“, erklärt der Correctiv-Chefredakteur. „Und dann analysieren wir tatsächlich Stück für Stück. Wir nehmen das ganz klassisch auseinander: Was wird dort behauptet? Gibt es irgendeine Quelle dafür? Wurde diese Quelle vielleicht völlig falsch interpretiert, bewusst falsch interpretiert? Sind das erfundene Informationen? Und dann haben wir intern auch ein paar klassische Redigaturschleifen.“ Dabei wird der Faktencheck selbst vor der Veröffentlichung noch einmal überprüft.

Hinter solchen Falschmeldungen stehen oft Verschwörungsideologien, für die es keine Basis gibt. Das Gefährliche daran laut von Daniels: Daraus entstehen Artikel, in denen dann Pseudo-Fakten wiedergegeben werden. Als Beispiel nennt er die Falschmeldungen um die angeblich gefährliche 5G-Mobilfunktechnik. „Dahinter steht eine Verschwörungsideologie, die irgendwer in die Welt gesetzt hat, für die es tatsächlich aber überhaupt keine Basis gibt. Daraus werden dann aber kleinteilige Geschichten gemacht, welche Gefahren die Strahlung hat, ob bestimmte Institutionen davor gewarnt haben oder üb die 5G-Technik von irgendwelchen Großmächten aufgekauft wurde.“ Das, so von Daniels, müsse man dann überprüfen und widerlegen.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 16.06.2020 berichtet.

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