Schutzanzüge (Foto: SR)

Mit Schutzanzügen aus Contern gegen Corona

Sven Behrmann / Onlinefassung: Axel Wagner   31.08.2020 | 16:00 Uhr

Wer sorgt eigentlich für die ganze Schutzausrüstung, die wir in Zeiten von Corona so dringend brauchen? Einer ist der amerikanische Konzert DuPont – und das macht er ganz in der Nähe, in seinem Werk im luxemburgischen Contern. Die Mitarbeiter dort produzieren Schutzanzüge – gerade jetzt in Corona-Zeiten ein streng-geschützter Bereich.

Die Schutzanzüge der Firma DuPont werden weltweit an nur zwei Standorten hergestellt: in Richmond in den USA und im luxemburgischen Contern. Hier leitet Albrecht Gerland die Produktion von Tyvek, einem dünnen, aber sehr robusten Spinnvlies aus Polyethylen.

Ultraleicht und ultrawichtig: Schutzanzüge im luxemburgischen Contern
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 31.08.2020, Länge: 05:04 Min.]
Ultraleicht und ultrawichtig: Schutzanzüge im luxemburgischen Contern

Anzüge aus Granulat

Mit Schutzanzügen aus Contern gegen Corona
Audio [SR 3, Sven Behrmann, 31.08.2020, Länge: 02:51 Min.]
Mit Schutzanzügen aus Contern gegen Corona

„Ich habe von außen einen Schutz gegen viele verschiedene Gefahrstoffe, von Stäuben, Partikeln bis hin zu Bakterien oder Viren“, erklärt er. „Auf der anderen Seite möchte ich natürlich, dass der Träger sehr komfortabel arbeiten kann. Das heißt, das Material ist sehr leicht. Ein Anzug wiegt circa 120 Gramm. Er ist weich und atmungsaktiv.“

Ausgangsmaterial für Tyvek sind Granulatkörner. Unter Druck werden daraus Fasern hergestellt, die noch dünner sind als Haare. Die wiederum werden zu einer Membran zusammengeführt, die reißfest und für Wasser, Bakterien und Viren undurchlässig ist – ohne dass man darin schwitzt.

Recycelbar - wenn es nicht kontaminiert ist

Die tonnenschweren Kunststoffrollen werden von ferngesteuerten Gepäckwagen durch das riesige Gebäude transportiert und dort zwischengelagert. Das Material an sich ist recycelbar. „Solange es sauber ist, wie man hier an der Verschnittware sieht, können wir das Material wieder zu Granulatkörnern zurückproduzieren und hinten ins System wieder eingeben“, so Gerland. „Sobald es allerdings kontaminiert, also verdreckt ist, können wir das nicht mehr tun. Dann muss es entweder thermisch recycelt oder zu anderen Produkten umfunktioniert werden, zum Beispiel zu Parkbänken oder anderen Produkten wie Eimern, die aus Polyethylen hergestellt werden.“

Thermisch recycelt bedeutet: Die Anzüge landen in der Müllverbrennung. Und das tun die meisten.

Genäht werden die Schutzanzüge hauptsächlich in Asien. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage aber innerhalb von drei Wochen um das Hundertfache. Der Bedarf bei Kliniken, mobilen Ärzten und Teststationen war immens. Bestellungen kamen aber auch von der Polizei, vom Zoll und von anderen Behörden.

Produktion am Limit

Das Werk in Luxemburg reagierte und stellte die Tyvek-Produktion komplett auf die Herstellung von Schutzanzügen um. Der Kunststoff wird nämlich sonst für ganz verschiedene Zwecke weiterverarbeitet, zum Beispiel als sterile Verpackung für medizinische Geräte, Obst und Gemüse, als Gebäudeisolierung, für Briefumschläge oder VIP-Armbändchen.

15 Millionen Schutzanzüge stellt DuPont normalerweise pro Monat in Contern her, zurzeit ist es das Doppelte. Mehr geht auch nicht. Die Mitarbeiter arbeiten schon rund um die Uhr, die Bänder stehen quasi nicht still. Auf einen Virus-Ausbruch zu reagieren, sei nichts Neues für die Belegschaft gewesen, sagt Werksleiter Paul Meyers – der Gefahr selbst ausgesetzt zu sein, hingegen schon. „Früher war es immer: in Europa produzieren und in die anderen Teile der Welt liefern. Jetzt waren wir als Europa selbst intensiv auch von der Krise betroffen. Das heißt, wir mussten auch vor Ort unsere eigenen Mitarbeiter schützen. Und das hat uns das Leben natürlich nicht einfach gemacht.“

Um den zusätzlichen Bedarf an Schutzanzügen zu decken, baut Dupont in Contern eine neue Fertigungsstraße. 340 Millionen Euro investiert das Unternehmen dafür. 2022 soll die Produktion beginnen. Die Corona-Pandemie ist bis dahin hoffentlich Geschichte.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 31.08.2020 berichtet.

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