Der Genetiker Prof. Dr. Wolfram Henn.  (Foto: imago images/BeckerBredel)

"Beim Corona-Impfstoff wurde nicht an der Sicherheit gespart"

Interview Janek Böffel / Wolfram Henn   03.12.2020 | 07:10 Uhr

Es wird langsam greifbar, dass der Corona-Impfstoff bald kommen wird. Am 2. Dezember wurde Biontech die Zulassung in Großbritannien erteilt. EU-weit dürften die Zulassungen folgen. Doch wie sicher sind die Impfstoffe? Wolfram Henn ist Genetiker an der Universität des Saarlandes und Mitglied des deutschen Ethikrates. SR-Moderator Janek Böffel hat ihn gefragt, ob tatsächlich schon alles bereit ist.

"Beim Corona-Impfstoff wurde nicht an der Sicherheit gespart"
Audio [SR 3, Interview Janek Böffel / Wolfram Henn, 02.12.2020, Länge: 04:14 Min.]
"Beim Corona-Impfstoff wurde nicht an der Sicherheit gespart"

Der Genetiker betont, dass der Impfstoff sicher sei. Die breite Testung von Versuchsgruppen, die sonst viele Jahre brauche, seien jetzt mit riesigem finanziellen und Personalaufwand parallel zur Entwicklung des Impfstoffes gelaufen. Darum konnte, so Wolfram Henn, die notwendige Zahlenbasis für die Sicherheit des Impfstoffs schneller aufgestellt werden als bei anderen Impfstoffen.

Es wurden bei den bis jetzt entwickelten Impfstoffen unterschiedliche Wirkungsgrade fest gestellt. Henn glaubt aber nicht, dass es tatsächlich große Unterschiede geben wird. Er rechnet damit, dass die Bürgerinnen und Bürger im Frühjahr in den Hausartzpraxen die Wahl haben werden, welchen Impfstoff sie haben wollen. Umfragen zufolge würden sich zwei Drittel der Menschen impfen lassen. Zwei Drittel müssten für einen Gemeinschaftsschutz ausreichen, meint Henn.

Moralische Impfplicht

Auch der Ethikrat sage, eine Impfpflicht werde es nicht geben, sagt Henn. Der Ethikrat sehe aber eine moralische Pflicht. Wer sich nicht impfen lasse wolle, habe ein Recht dazu. Aber er sei sozial rechtsfertigungsplichtig.

Henn meinte, wer sich nicht impfen lassen wolle, solle eine schriftliche Erklärung mit sich führen. Er formuliere es mal scharf: "Ich habe mich entschlossen, mich selbst nicht zu schützen und die Bekämpfung der Pandemie anderen zu überlassen. Also möchte ich, wenn ich krank werde, auch mein Intensivbett und meinen Beatmungsplatz anderen überlassen." Das sei ehrlich und fair, das höre er von den Impfgegnern aber nicht.


Mehr zum Thema


Christian, Bogdan, Immunologe, Institutsleiter, Uniklinik, erlangen, Impfkommission, Ständige, RKI, Robert-Koch-Institut
"Es wird sich jeder für einen Impfstoff entscheiden können"
In Großbritannien wurde bereits ein Impfstoff zugelassen, demnächst wird es auch in anderen europäischen Ländern soweit sein. SR-Moderator Michael Friemel wollte vom Immunologen Christian Bogdan wissen, ob die ersten, die sich impfen lassen, eine Art Versuchskaninchen sind. Dr. Bogdan ist Institutsleiter an der Uniklinik Erlangen. Er gehört der "Ständigen Impfkommission" am Robert-Koch-Institut an.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 03.12.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


0 Kommentare

Leider ist beim Senden der Nachricht ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen Sie es noch einmal.
Vielen Dank für Ihre Nachricht, sie wurde erfolgreich gesendet.
Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja