Home Office - das geht auch im Hotel. (Foto: Lisa Ducret/dpa)

„Hotel Office“ statt Home Office

Lena Schmidtke / Onlinefassung: Axel Wagner   15.04.2020 | 16:21 Uhr

Die Coronakrise trifft alle Branchen hart. Viele Geschäfte sind komplett geschlossen oder nur mit starken Einschränkungen geöffnet – so auch die Hotels. Die dürfen nur noch Geschäftsreisende oder Leute, die beruflich nicht anders können, beherbergen. Das Hotel Am Triller in Saarbrücken hat sich deshalb ein ganz besonderes Konzept überlegt, um möglichst viele Gäste anzulocken.

„Wir bieten das Produkt ‚Hotel Office‘ an“, erklärt Björn Gehl-Bumb, Geschäftsführer des Hotels Am Triller. 26 der 110 Zimmer des Hotels hat er im Angebot, wahlweise nur tagsüber oder mit Übernachtung. „Das Ganze nennt sich ‚Schaffhausen‘, wir sind ja im Saarland. Da gibt’s zwei Pakete: ‚Schaffe‘, von morgens, 7.00 Uhr, bis abends, 19.30 Uhr, und das andere: ‚Schaffe un schloofe‘.“

Hotelzimmer als Ausweichmöglichkeit

„Hotel Office“ statt Home Office
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 15.04.2020, Länge: 02:54 Min.]
„Hotel Office“ statt Home Office

Auf die Idee dazu hat ihn ein guter Freund gebracht. Der ist zum Home Office verdonnert, findet mit mehreren Kindern im Haus und seiner Frau im Home Office aber keine Ruhe zum Arbeiten. Ein Hotelzimmer als Ausweichmöglichkeit schien da die perfekte Lösung. „Die Hotelzimmer an sich sind ja autark und so ausgestattet, dass man in Ruhe arbeiten kann“, erklärt Geschäftsführer Gehl-Bumb. „Wir besitzen eine eigene Glasfaseranbindung, somit ist auch schnelles Internet gewährleistet.“

Auch der selbstständige IT-Unternehmer Thomas Beckert schätzt die stabile Internetverbindung im „Hotel Office“: „Wenn man im Mehrfamilienhaus wohnt und alle Home Office machen, Zoom- oder Skype-Meetings, dann ist die Leitung auch schnell voll. Und wenn man weg von den vertrauten vier Wänden ist, hat das mehr vom fokussiertem Arbeiten. Und die Verpflegung ist super. Also im Grunde hat’s für mich nur Vorteile.“

Nur für Geschäftsleute

In Zukunft will Beckert das „Hotel Office“ öfter nutzen. Das geht aber nur, weil er das Zimmer geschäftlich nutzt. „Privatreisenden oder jemandem, der sich mal im Hotelzimmer ausruhen will, ist das nicht gestattet“, sagt Hotelgeschäftsführer Gehl-Bumb. „Man muss das Ganze schon über eine Firma und mit entsprechendem Grund buchen. Wir verlangen vorab schon einen entsprechenden Nachweis.“

Außerdem hat das Hotel Am Triller einige Maßnahmen ergriffen, damit die Gäste Corona-frei bleiben. „So wie wir das konzipiert haben, kann jeder Gast sein Zimmer autark betreten. Er hat nur einmal die Türklinke in die Hand zu nehmen. Ab nächster Woche können Gäste auch digital einchecken, das bedeutet, sie können mit dem Handy die Tür öffnen.“

69 Euro kostet ein „Hotel Office“-Zimmer im Paket „Schaffe un schloofe“, 29 Euro im Paket „Schaffe“. Gäste können dann die komplette Ausstattung des Zimmers nutzen: Badezimmer, Kühlschrank, Fernseher, LAN und WLAN. Wenn er fünf der 26 Zimmer pro Tag vermieten kann, ist Geschäftsführer Björn Gehl-Bumb glücklich. „Hotelzimmer für 29 Euro mit Badezimmer dabei, da wird sich der Hotelier nicht die Säcke voll machen, ganz im Gegenteil. Wir dachten, das ist eine gute Idee für viele, die zuhause keine optimalen Lösungen haben, um in Ruhe zu arbeiten.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 15.04.2020 berichtet.

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