An der Bar in einem Club (Foto: picture alliance / Hans Lucas | Mehdi Chebil)

Clubs und Diskotheken: Feiern ohne Grenzen?

Interview: Gerd Heger, Onlinefassung: Patrick Wiermer   28.09.2021 | 16:25 Uhr

Die Nachtclubs und Diskos im Saarland waren mit die ersten, die zumachen mussten. Aber auch die letzten, die wieder aufmachen dürfen. Doch jetzt ist es so weit: Ab Freitag darf ohne große Einschränkungen gefeiert werden. Sind die Clubs vorbereitet? Der Betreiber des blau in Saarbrücken, Timo Schmidt, im SR 3-Interview.

Frage: Herr Schmidt, Sie wurden wieder mal kurz vor knapp vorgewarnt, kann man da überhaupt aufmachen?

Ja, ich denke schon. Wir hätten uns tendenziell gewünscht, dass die Informationsgebung im Zuge von 1,5 Jahren Pandemie etwas optimiert hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob einige in unserer Landesregierung, glauben, dass die unternehmerischen Prozesse, die wir haben, innerhalb von zwei Stunden abgehandelt sind. Und dass der Planungshorizont von einer Woche vorher reicht, dass der reicht, um vernünftige Sicherheitskonzepte bereitzustellen, dass das funktional ist.

Frage: Haben Sie und die Clubszene im Saarland allgemein dieses ganze Hin- und Her einigermaßen gut überstanden?

Ich würde sagen, dass die Förderungsmöglichkeiten in Deutschland gut waren. Die kamen nicht immer pünktlich, aber unterm Strich war das durchaus fair. Ob das ja immer so zielgericht war, lasse ich mal dahingestellt. Mir fällt da der Luftfilter ein, der wurde als Allheilmittel dargestellt. Dann haben wir festgestellt, dass er vielleicht doch nicht so viel bringt. Aber es war eine hochkomplexe Situation, da dürfen auch Fehler passieren.

Frage: Am Freitag geht's also wohl wieder los: Wie groß ist denn da die Eigenverantwortung als Betreiber?

Als Bürger hätte ich mir vielleicht 2G oder eine 3G-Variante gewünscht, bei der nicht alle Abstandsgebote fallen. Wir wissen nicht, ob wir in der Lage sind, alle Tests der Jugendlichen zu kontrollieren. Da gibt es gefälschte Impfzertifikate. Wir behelfen uns, dass wir den QR-Code scannen und uns den Ausweis zeigen lassen. Aus meiner persönlichen Sicht wäre es vielleicht klüger gewesen, eine Impfquote von 80 Prozent abzuwarten und dann 2G einzuführen. So könnte man auch die Motivation bei unser Zielgruppe steigern, die tendenziell noch große Impflücken hat. So kämen wir auch schneller an das Ziel, das wir alle anstreben, dass wieder Normalität herrscht. Die Regierung hat sich dann für was anderes entscheiden.

Frage: Werden denn viele Gäste kommen? Oder gibt es da eine große Zurückhaltung?

Die individuelle Risikokalkulation ist da etwas anders als es bei etwas höheren Semester. Das Verlangen nach sozialer Interaktion und ausgelassenem Feiern war in den letzten 1,5 Jahren derart unbefriedigt, dass das jetzt eher keine so große Rolle spielt, ob das unter 3G oder 2G stattfindet.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 28.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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