Der leere Plenarsaal des Bundestags aus der Vogelperspektive (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

"Die Reue im Herbst ist jetzt schon vorprogrammiert"

Frank Hofmann   07.04.2022 | 09:43 Uhr

Der Bundestag entscheidet am 07. April über die Corona-Impfpflicht. Vier Vorschläge liegen auf dem Tisch. Prof. Dr. Wolfram Henn ist Humangenetiker an der Homburger Uniklinik und Mitglied im Deutschen Ethikrat. Er hält den Antrag für eine Impfpflicht für Menschen über 60 Jahren für den besten der vorliegenden Vorschläge - auch wenn er aus seiner Sicht nicht weitreichend genug gehe.

In den Augen von Prof. Dr. Wolfram Henn ist der Antrag einer Impfpflicht für Menschen über 60 Jahren "noch der beste" Lösung. Als Staatsbürger könne man sagen: "Ein Kompromiss ist besser, als gar keine Lösung". Aus Sicht eines Arztes sei aber auch dieser Antrag nicht weitreichend genug und die "Reue im Herbst" sei vorprogrammiert.

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"Ein Kompromiss ist besser, als gar keine Lösung"
Audio [SR 3, Frank Hofmann, 07.04.2022, Länge: 03:10 Min.]
"Ein Kompromiss ist besser, als gar keine Lösung"

Die Gefahr neuer Varianten im Herbst

Henn, der auch Mitglied des Deutschen Ethikrats ist, nennt verschiedene Aspekte, warum er eine Impfpflicht im Fall der Corona-Pandemie für gerechtfertigt hält: Ungeimpfte hätten ein höheres Risiko für Lungenembolien und Long-Covid, der Schutz der Alten und derjenigen, die in einer Anti-Immun-Therapie seien und die Gefahr neuer Varianten im Herbst.

Um einen erneuten Lockdown zu vermeiden, müsse alles dafür getan werden, "dass auch jüngere Leute geimpft sind", so Henn. "Je mehr Geimpfte, desto besser für einen selbst und für die Anderen." Auch wenn das Gesundheitssystem derzeit nicht am Limit ist und die meisten Verläufe mild seien. Wichtig sei es, vorbereitet zu sein, so Henn.

Hier sieht er auch einen Denkfehler in dem Modell, das die CDU vorgeschlägt. Nämlich vorbereitet zu sein und erst zu reagieren, wenn das "neue Virus" da ist. Dann sei es nämlich zu spät, "weil man einfach mehrere Monate Vorlauf hat, bis dann eine neue Impfkampagne wirklich greift", so der Humangenetiker.


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