Krankenpflegerin Jessica-Hemm-Dörfert.  (Foto: Steffanie Balle)

Zunächst keine Covid-Prämie für das Personal der UKS

Steffani Balle   11.11.2020 | 15:41 Uhr

Der Brandbrief der Krankenpflegerin Jessica Hemm-Dörfert von der Uniklinik in Homburg, den sie auf Facebook veröffentlicht hatte, ging viral. Der Post wurde mehrere Tausend Mal geteilt, mehrere Hundert Mal kommentiert. Da drückte die Krankenpflegerin wohl das aus, was viele ihrer Berufsgenossinnen und - genossen genauso denken.

Verweigerung der Prämie als Kränkung empfunden.
Audio [SR 3, Steffani Balle, 11.11.2020, Länge: 03:04 Min.]
Verweigerung der Prämie als Kränkung empfunden.

Jessica war wütend und fassungslos, weil die Uniklinik genau einen Covid-Patienten zu wenig behandelt habe. Nur 49 statt der geforderten 50 Covid-Patienten habe die Uniklinik behandelt und sei deshalb aus der Förderung gefallen. Das teilte die Klinikleitung schriftlich mit. Dabei hätten die Verteiler in Berlin aber weder die französischen Patienten mitgezählt, noch die Langzeit-Patienten, die über den 31. Mai hinaus behandelt worden waren.

Darum bekamen die dortigen Krankenpflegerinnen und -pfleger keinen Bonus. Sie hatten, so Jessica, das Dienstmodell umgestellt, waren länger da, gingen bis an den Rand ihrer Kräfte. Jetzt, bei der zweiten Welle stecke ihnen die erste noch in den Knochen. Da sei diese Nachricht wie ein Schlag ins Gesicht gewesen. "Das hat mich sehr gekränkt." Da habe sie sich auf Facebook Luft gemacht.

Wie ein Schlag ins Gesicht

Ihren Beruf hat Jessica aber nie in Frage gestellt. Bereits die Mutter sei in der Altenpflege gewesen, ihr Tante war Krankenschwester. Sie selbst wollte von Kindesbeinen an nichts anderes werden. Anderen Menschen, die in einer völlig hilflosen Situation sind, helfen zu können, das hält Jessica bei der Stange. Die Arbeit sei vielfältig, anspruchs- und verantwortungsvoll. Auch medizinisch gesehen sei die Arbeit interessant. Im Team fühlt Jessica sich von den Ärztinnen und Ärzten auf Augenhöhe akzeptiert und wertgeschätzt.

Nicht nur Jessica fand es ungerecht, dass die Prämie für Krankenpflegerinnen von der Zahl der behandelten Covid19- Patienten abhängig gemacht werden sollte. Das hatte die Politik dann auch schleunigst eingesehen und nachgesteuert.

Land besserte für die UKS nach

Dass das Land nun mit 400.000Euro in Vorkasse trete und selbst die gleiche Summe drauf lege, begrüßte die Leitung des UKS ausdrücklich. Mit dem aufgestockten Zuschuss sollen auch Mitarbeiter außerhalb der Pflege eine Prämie bekommen, wenn sie besonderen Belastungen durch Covid- Patienten ausgesetzt waren.

Für Jessica wäre es zudem richtig, wenn die Arbeit familienfreundlicher würde. Eine besser Zahlung wäre sinnvoll und auch mehr Urlaub. Ausgeruhtes Pflegepersonal sei leistungsfähiger.Zwei Dinge sind allerdings strittig: Dass nicht alle Krankenhäuser Geld zum Verteilen bekommen und demnach auch nicht jede Pflegekraft mit einer Prämie rechnen darf. Das sorge für Unfrieden in den Kliniken, kritisiert der Pflegebeauftragte der Gewerkschaft Verdi Quetting.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 11.11.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja