Schweine auf dem Marienhof (Foto: SR/Lisa Krauser)

Der Marienhof - ein Bio-Hof in Gerlfangen

Lisa Krauser   19.10.2021 | 12:30 Uhr

Um mit weit verbreiteten Klischees im Bereich der Nahrungsmittelproduktion aufzuräumen, organisieren die Aktion 3. Welt Saar und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten NGG Saar Führungen in Lebensmittel-Betrieben.

Wenn man "Bio-Bauernhof" hört, denkt man gerne an glückliche Kühe und zufriedene Landwirte. Es bisschen was ist auch sicherlich dran, an diesem Klischee. Doch der Betrieb eines Biohofes ist kein Zuckerschlecken. Wie konventionelle Betreibe muss auch ein Bio-Bauernhof wirtschaftlich arbeiten.

Einblicke in die Lebensmittelproduktion: der Bio-Hof in Gerlfangen
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 19.10.2021, Länge: 03:09 Min.]
Einblicke in die Lebensmittelproduktion: der Bio-Hof in Gerlfangen

Kälber auf dem Marienhof (Foto: SR/Lisa Krauser)

Der Marienhof in Gerlfangen. Er wird betrieben von Familie Zenner. Gegründet wurde der Hof 1965. Er liegt idyllisch inmitten von Wiesen und Feldern. Und den Tieren scheint es in ihren geräumigen Ställen prächtig zu gehen. 1992 wurde der Marienhof in einen Bio-Betrieb umgewandelt. Stefan Zenner ist froh, sich für die Umwandlung seines Hofes entschieden zu haben. Preisdruck und Wachstumszwang seien nicht so groß wie in der konventionellen Landwirtschaft, sagt er. Inzwischen werde aber auch in der Bio-Branche die Abhängigkeit von großen Abnehmern immer größer, seitdem Bio auch in den großen Supermärkten Einzug gehalten hat.

Direktvertrieb und Marktpreisschwankungen

Bioland-Betrieb Marienhof
Der "Beste Hofladen" Deutschlands liegt in Gerlfangen
Alljährlich ruft das Naturkostmagazin "Schrot und Korn" seine Leserinnen und Leser auf, die besten Bioläden Deutschlands zu küren. In diesem Jahr geht der Preis für den besten Hofladen an den saarländischen Bioland-Betrieb Marienhof in Gerlfangen von Karin und Stefan Zenner.

Um weniger abhängig von Marktpreis-Schwankungen zu sein, setzt der Marienhof vor allem auf Direktvertrieb. Getreide, Fleisch- und Wurstwaren verkaufen Stefan Zenner und seine Frau direkt im Hofladen und auf dem Markt. Da können sie die Preise selbst festlegen. Die Milch hingegen geht zum größten Teil in den Handel. Und da sind die Preise alles andere als fix. "Die Molkerei deckt ihre Kosten und was übrig ist, ist für den Bauer. Das birgt die Gefahr, dass ich bei rückwärts gehenden Preisen oder stark steigenden Kosten plötzlich pro Einheit ins Minus rutsche", so Zenner. 80er Jahre, als sein Betrieb noch konventionell betrieben wurde, hätte er 80 Pfennig pro Liter Milch bekommen, heute bekomme er zwar 48,49 Cent für seine Bio-Milch. "Da sieht man, dass der Preis einfach höher sein müsste."

Die Zwänge der Marktwirtschaft

Bio-Höfe stehen - wie alle anderen Höfe - unter wirtschaftlichen Zwängen. "Bio ist eine andere Anbaumethode, aber definitiv kein anderes Wirtschaftssystem", sagt Roland Röder von der Aktion 3. Welt Saar. "Jeder Bio-Betrieb ist auch dem Wachstumszwang in der Marktwirtschaft ausgesetzt. Jeder Bio-Hof muss wachsen, sonst muss er verschwinden." Die Vorstellung, auf den Biohöfen sollte es mindestens 20 verschiedene Tierarten und 50 verschiedene Pflanzensorgen geben, habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun. "So funktioniert kein Bio-Betrieb, so funktioniert nirgendwo im Industrieland Deutschland die Wirtschaft", so Röder.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 19.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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