Baustellenschilder (Foto: dpa)

Baustellen-Ärger in Bexbach

Marie Kribelbauer / Onlinefassung: Axel Wagner   17.01.2019 | 17:33 Uhr

Wer schön sein will, muss leiden. Gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für die Stadt Bexbach. Die will schöner werden. Und muss deshalb seit Jahren mit einer ganzen Menge Baustellen und Straßensperren leben – vor allem in der Innenstadt. Wäre ja alles auch ok, wenn da nicht viele skeptisch wären, ob das ganze Umbauen tatsächlich so viel bringt?

Wer momentan durch die Bexbacher Innenstadt spaziert, fühlt sich ein bisschen so, als sei er in einer Geisterstadt unterwegs. Links und rechts zwar Geschäfte mit Schaufensterflächen, doch viele stehen schon seit längerer Zeit leer. Menschen sind kaum unterwegs.

Bexbach verändert sein Gesicht. Der Grund dafür ist ein gewaltiges Umbauprojekt namens „Aktive Stadt“. Es werden unter anderem die Straßenführung geändert, Leitungen erneuert und die Parksituation verbessert. Das Ziel: eine barrierefreie, attraktive und belebte Innenstadt. Schon fast fünf Jahre geht das für die Bexbacher so.

Geschäfte leiden

Ärger um Baustellen in Bexbach
Audio [SR 3, (c) Marie Kribelbauer, 17.01.2019, Länge: 03:11 Min.]
Ärger um Baustellen in Bexbach

Viele der Geschäfte, die noch übrig sind, leiden unter der Situation. „Diese Absperrgitter, die da standen, waren jeden Tag an einem anderen Platz“, sagt Heike Neumann, Inhaberin des Café- und Dekogeschäftes Le Cadeau an der Rathausstraße. Ihren Laden hat sie im März 2018 eröffnet, nicht ahnend, was auf sie zukommen würde. „Wir hatten sogar ein-, zweimal die Situation, dass ich bis mittags um vier Uhr keine Kunden hatte und dann mal geschaut habe, was da los ist. Und dann war die Absperrung so, dass ich abgeschnitten war. Es konnte niemand in den Laden rein. Ging gar nicht.“

Wegen fehlender Umsätze musste die Inhaberin regelmäßig in die eigene Tasche greifen. „Im Dezember habe ich das erste Mal nichts drauflegen müssen. Und wir reden da jetzt nicht von 100, 200 Euro. Ich habe zwischen 800 und 1000 Euro im Monat draufgelegt, das heißt, ich habe über Monate jeden Tag zwölf Stunden hier gestanden und keinen Cent verdient. Wenn ich meine Familie davon ernähren müsste, hätte ich schon längst zu.“

Bürgermeister: „Da müssen wir irgendwie durch“

Sie ist nicht die einzige, der das Projekt „Aktive Stadt“ zugesetzt hat. Insgesamt soll es etwa zehn Jahre dauern, bis alles fertig ist, sagt Bexbachs Bürgermeister Thomas Leis. Davon sei etwa die Hälfte überstanden, und man liege gut in der Zeit. Leis versteht den Ärger der Gewerbetreibenden, ist aber fest überzeugt: Wenn die schwere Zeit durchgestanden ist, geht es für die Stadt wieder bergauf. „Natürlich leidet man in dieser Zeit, das weiß ich. Gerade die, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, haben da wirkliche Probleme. Es kann natürlich jeder herkommen und mit mir reden, und wir versuchen wirklich alles, aber ich möchte es mal ein bisschen polemisch sagen: Zaubern geht einfach nicht. Wir haben uns entschieden. Da müssen wir irgendwie durch.“

Keine großen Probleme mit den Straßensperrungen hatten zum Beispiel der Frisörsalon oder das Hotel Klein, also Dienstleister. Sabine Gründer-Fritz leitet seit 25 Jahren einen Frisörsalon in der Bexbacher Rathausstraße. Damit ihre Kunden trotz Straßensperrung zum Haareschneiden kamen, bot sie einen Abholservice an. Dass ihr Geschäft von der Baustelle kaum betroffen war, hänge aber auch an der Art ihres Gewerbes, meint sie. „Es ist auch bei einem Frisör immer was anderes wie jetzt zum Beispiel in der Metzgerei oder in einem Blumengeschäft. Da sagt die Kundin natürlich: Meine Wurst bekomme ich auch irgendwo anders, meine Blumen bekomme ich irgendwo anders.“

Alexander Kugler, Vorsitzender des Gewerbevereins Bexbach, findet die Umbaumaßnahmen gut. Für die Gewerbetreibenden und die Zukunft der Stadt hofft er auf einen positiven Effekt. „Was man jetzt so ersehen kann, wird das schon hervorragend, auch gerade, was die Barrierefreiheit angeht. Auch die Parksituation wird im Prinzip entspannter, und ich sehe es eigentlich auch als die einzige Möglichkeit an, wie sich Bexbach wieder etwas positiv entwickeln kann.“ Die Bexbacher jedoch, das zeigt eine Straßenumfrage, blicken der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Region am Nachmittag vom 17.01.2019 berichtet.

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