Wintringer Hof (Foto: Erich Jöckel)

Der Wintringer Hof kämpft mit den Energiepreisen

Folgen des Ukraine-Krieges

Jana Bohlmann   02.05.2022 | 13:00 Uhr

Der Krieg in der Ukraine - für die Menschen dort ein Albtraum. Und die Auswirkungen des Krieges sind fast in der ganzen Welt zu spüren. Selbst hier im Saarland. Die sowieso schon hohen Energiepreise sind durch die Decke gegangen. Das bekommen Verbraucher und Unternehmen tagtäglich zu spüren. Und auch die Landwirte im Saarland haben mit den Preisen zu kämpfen. So zum Beispiel der Wintringer Hof in Kleinblittersdorf.

Der Wintringer Hof ist ein Bioland-Betrieb im Biosphärenreservat Bliesgau und Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Obere Saar e.V. Rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit und ohne Behinderungen arbeiten hier zusammen.

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Der Wintringer Hof kämpft mit den Energiepreisen
Audio [SR 3, Jana Bohlmann, 02.05.2022, Länge: 02:43 Min.]
Der Wintringer Hof kämpft mit den Energiepreisen

Den Hof trifft die Energiekrise momentan in allen Bereichen, und sollte es kein Gas mehr aus Russland geben, werde die Situation noch extremer, befürchtet Mike Kleinbauer, der Leiter des Wintringer Hofes.

Gewächshäuser und Kelterrei müssen beheizt werden

Rund 4000 Quadratmeter Fläche - verteilt auf zwei Gewächshäuser - werden auf dem Hof in Kleinblittersdorf bepflanzt. Neben den üblichen Gemüsesorten wie Paprika, Gurken und Zucchini werden auch Kräuter und Obst angebaut. Damit das gelingt und die Ernte ertragreich ist, müssen die beiden Gewächshäuser ab März beheizt werden. Und auch in der Kelterei gibt es eine Ölheizung um die Flaschen bei der Abfüllung anzuwärmen. Normalerweise alles kein Problem, aber seit Beginn des Ukraine-Krieges sind die Energiepreise, und damit auch die Heizölpreise, in die Höhe geschossen.

Gut 20.000 Euro mehr für Heizöl als im Vorjahr

"Als Russland in die Ukraine einmarschiert ist, ging der Umsatz zurück. Und nicht nur der Umsatz ging zurück, sondern auch die Kosten sind gestiegen", sagt Kleinbauer. Das Heizöl für die Gärtnerei werde in der Regel immer im Winter gekauft, weil es normalerweise dann günstiger sei. Eine Woche nach Kriegsausbruch habe man für das Heizöl dann gut 20.000 Euro mehr ausgegeben als für die gleiche Menge im Vorjahr.

Grund für den Preisanstieg

Russland ist der größte Öllieferant Deutschlands. Im vergangenen Jahr wurde fast ein Drittel des gesamten Öls aus Russland importiert. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Ölpreis hierzulande deutlich gestiegen – und das aus mehreren Gründen. Zum einen ist die Nachfrage nach Heizöl jetzt im Frühjahr sowieso höher. Viele Tanks sind nach den Wintermonaten leer und müssen aufgefüllt werden. Und zum anderen spielt auch eine durch den Krieg erzeugte Unsicherheit an den Märkten eine Rolle – und die treibt die Preise in die Höhe.

Auch Diesel- und Strompreise machen dem Hof zu schaffen

Schweine vom Wintringer Hof  (Foto: SR)

Und auch die gestiegenen Strom- und Dieselpreise bekommt der Wintringer Hof deutlich zu spüren. Zum einen brauchen sie Diesel für die Traktoren zur Bearbeitung der landwirtschaftlichen Flächen. Zum anderen brauchen die Masthähnchen eine Stromheizung, um schnell heranwachsen zu können.

Bisher musste der Wintringer Hof die Preise von Obst und Gemüse noch nicht erhöhen. Aber wenn es mit der Entwicklung der Energiepreise so weiter geht, kann Mike Kleinbauer Preiserhöhungen nicht ausschließen.


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