Dillinger Hütte (Foto: SR)

Schlechtere Arbeitsbedingungen durch Auslagerung

Karin Mayer   11.10.2019 | 12:30 Uhr

Die Stahlindustrie im Saarland steht vor harten Einschnitten. 1500 Jobs sollen wegfallen, 1000 weitere sollen ausgelagert werden. Dieser Plan treibt zurzeit die Betriebsräte und Beschäftigten in der Stahlindustrie um. Auch, weil es schon jetzt Arbeiten gibt, die ausgelagert wurden und dort arbeiten die Mitarbeiter zum Teil unter völlig anderen Bedingungen als die Hüttenbeschäftigen. SR-Wirtschaftsreporterin Karin Mayer mit einem Beispiel.

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Schlechtere Arbeitsbedingungen durch Auslagerung
Audio [SR 3, Karin Mayer, 11.10.2019, Länge: 03:02 Min.]
Schlechtere Arbeitsbedingungen durch Auslagerung

Feste Schichtpläne, klar geregelte Arbeitszeiten mit einer 35-Stunden-Woche, Lohnerhöhung nach Tarif und ein Betriebsrat, bei dem man bei Problemen um Rat und Hilfe nachsuchen kann - so sehen die Rahmenbedingungen für die Stahlarbeiter auf der Dillinger Hütte aus. Nun sollen 1000 dieser Stellen ausgelagert werden. Doch Einsparung durch Auslagerung heißt in der Praxis häufig: Sparen auf Kosten der Beschäftigten.

Bis zu 70 Stunden und keine Lohnerhöhung

Es gibt auf dem Dillinger Hüttengelände Beschäftigte, die zwar für die Hütte arbeiten, aber bei einem Dienstleister der Hütte angestellt sind. Zum Beispiel Lkw-Fahrer. Für sie sieht es mit einer geregelten Arbeitszeit weniger gut aus. "Ich arbeite bis zu 70 Stunden die Woche, je nachdem, wie die Dillinger Hütte die Leute verlangt und braucht", so einer dieser Mitarbeiter. Die Firma, bei der er angestellt ist, sorgt für die Transporte auf dem Hüttengelände. Eine Lohnerhöhung hat er seit vielen Jahren nicht bekommen. Auch eine Unterstützung durch einen Betriebsrat gibt es nicht.

Betriebsrat befürchtet deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen

Der Betriebsratvorsitzende der Dillinger Hütte, Michael Fischer, bestätigt: Viele Dienstleister auf dem Hüttengelände hätten keine Betriebsräte und die Beschäftigten würden nicht nach Tarif bezahlt. Und er macht sich Sorgen wegen der von der Hütte angekündigten Auslagerung von weiteren 1000 Jobs. Er befürchtet, dass sich für diese Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen rapide verschlechtern könnten.

Patnerfirmen unter Druck

Dass Partnerfirmen der Dillinger Hütte unter Druck stehen, das bestätigt ein Werkvertragsunternehmen dem SR. Es müsse für die Hütte Einsparungen bringen, Löhne nach IG Metall-Tarif könne es nicht bezahlen - auch, weil die Hütte ihm Aufträge weggenommen hätte. Nach der Ankündigung, dass 1000 Jobs ausgelagert werden sollen, hoffe man nun aber auf zusätzliche Aufträge.

Statement der SHS Stahlholding

Die SHS Stahlholding weist auf SR Anfrage darauf hin, dass insgesamt über 5.000 Lieferanten und Dienstleister für die saarländische Stahlindustrie arbeiten. Die externen Firmen würden regelmäßig kontrolliert. Wenn es im Einzelfall zu einem Verstoß komme, gehe die Hütte dem umgehend nach und stelle ihn ab. Die Marktentwicklung mit zunehmendem Kostendruck mache jedoch weitergehende strategische Kooperationen in der Zukunft nötig. 

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 11.10.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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