Besucher gehen am 22.10.2009 in Essen (Nordrhein-Westfalen) durch das Einkaufszentrum Limbecker Platz. (Foto: picture alliance / Roland Weihrauch/dpa)

Stehen Shopping-Center vor dem Aus?

  14.05.2019 | 09:50 Uhr

Der Boom der Shopping-Center geht zu Ende. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. 543 Center listet das EHI in seinem Shopping Center Report auf. Immer größer und immer mehr Läden, das war die Maxime – doch diese Zeiten sollen vorbei sein.

Manche Einkaufszentren werden bald schließen, vermuten die Forscher. Denn die erwartete Kundschaft bleibt trotz großer Auswahl aus. „Wir sehen im deutschen Markt eine Sättigung“, sagt Marco Atzberger vom EHI. Als Grund dafür sehen die Forscher das Online-Shopping.

Wandel zu Quartieren

Als Reaktion darauf werden in Deutschland derzeit 44 Shoppingcenter umgebaut, saniert und modernisiert. Das Ziel: dem Kunden etwas zu bieten, was er bei der Konkurrenz im Internet nicht findet. „Es werden neue Center eröffnet“, so Atzberger. „Grundsätzlich werden sie jedoch kleiner, und es werden Städte gesucht, an die man vor zehn Jahren noch nicht gedacht hätte.“ Statt Kleider, Kosmetik, Elektronik, Schmuck oder Deko-Artikel finden Center-Besucher dort nun eher Gastronomie und Supermärkte.

Die Forscher beobachten, dass sogenannte Quartierslösungen mit weniger Ladenfläche immer beliebter werden. „Heute mischt man das stärker durch mit Büros, mit Fitnessstudios, mit Unterhaltung und Wohnungen. Damit bekommt man etwas, was viel näher am eigentlichen Stadtbild in Europa ist – nämlich ein Quartier, das lebt.“

Shopping-Center im Saarland
Audio [SR 3, (c) Frank Hofmann, Karin Mayer, 14.05.2019, Länge: 02:18 Min.]
Shopping-Center im Saarland

Situation im Saarland

Die Shopping-Center im Saarland werden von den Kunden gut angenommen, schätzt der Landesverband Einzelhandel und Dienstleistung Saarland. Viele Besucher kämen zum Beispiel nach Saarbrücken, um gezielt in der Europa-Galerie einzukaufen. Die anderen Geschäfte in der Innenstadt leiden aber nicht – wie anfangs befürchtet – an der Nähe des Einkaufszentrums. Sie profitieren, wie auch die Europagalerie selbst, durch eine gezielte Kooperation, zum Beispiel bei der Abstimmung verkaufsoffener Sonntage.

In Neunkirchen, beim Saarpark-Center, das ebenfalls gut besucht wird, ist das Konzept der Kooperation nicht aufgegangen. Bei diesem frühen Projekt wurden aus Sicht des Einzelhandelsverbandes Fehler gemacht. Es ist möglich, dass die Mall in einem Mittelzentrum vielleicht zu viel Kaufkraft abgezogen hat. Außerdem gibt es insgesamt immer weniger inhabergeführte Geschäfte, die früher die Innenstadt geprägt haben. Fehlen diese, stehen am Ende, wenn die großen Ketten in die Malls gehen, Läden leer.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Sendung "Guten Morgen" vom 14.05.2019 berichtet.

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