Oskar Lafontaine von der Linken. (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

Attentat auf Oskar Lafontaine vor 30 Jahren

Janek Böffel   25.04.2020 | 11:18 Uhr

Es war 20.45 Uhr in Köln-Mülheim. Einer dieser unzähligen Wahlkampfauftritte, die Oskar Lafontaine in jenem Bundestagswahlkampf 1990 absolvierte. Eine markige Rede, Küsschen hier, Küsschen dort und zum Abschluss ein siegesgewisses Foto mit dem damaligen nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau. Bis plötzlich Geschrei die Halle erfüllte.

Eine Frau war auf die Bühne gegangen, hatte aus einem Blumstrauß ein Messer gezückt und auf Oskar Lafontaine eingestochen. Es werden Bilder sein, die sich im Gedächtnis dieser Bundesrepublik einbrennen. Lafontaine am Boden, Blutlachen um ihn herum. Angesichts der Tat hilflose Sicherheitsmänner, die eine Frau im weißen Kleid anschreien. Sie wird nicht antworten. Diese sprichwörtliche Seelenruhe, die aus ihrem Blick spricht, ist schwer zu vergessen.

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Oskar Lafontaine am Boden, gehalten von zwei Männern.
Audio [SR 3, Janek Böffel, 25.04.2020, Länge: 02:26 Min.]
Oskar Lafontaine am Boden, gehalten von zwei Männern.

Es wird dauern bis ihr Name bekannt wird. Adelheid Streidel. Geisteskrank, wie es damals hieß, psychisch krank, würde es heute heißen. Eine Frau, verfolgt von ihren Vorstellungen. Später wird sie sagen, Jesus habe zu ihre gesprochen. es sei ihr egal gewesen, ob Lafontaine oder Rau. Doch sie greift Lafontaine an, der stundenlang mit dem Tod ringt, ehe der leitende Arzt vor die Presse tritt.

"Schlüsselerlebnis meines Lebens"

Zumindest körperlich bleibt der Angriff ohne Folgen. Doch auch an ihm, dem scheinbar unaufhaltsamen Aufsteiger der SPD, Ministerpräsident im Saarland, Kanzlerkandidat geht dieser Abend nicht spurlos vorbei. Natürlich nicht. Heute will Lafontaine nicht mehr darüber sprechen, über diesen Abend. Vor zwei Jahren, anlässlich seines 75. Geburtstages hat er eines seiner wenigen Interviews dazu gegeben. "Natürlich war das Attentat ein Schlüsselerlebnis meines Lebens. Zum ersten Mal war ich damit konfrontiert, dass das Leben endlich ist."

Er erholt sich zwar. Aber wenige Monate später verliert Lafontaine, an manchen Tagen noch immer gezeichnet vom Attentat, die Bundestagswahl gegen Helmut Kohl. Auch davon erholt er sich wieder. 1990 ist das Jahr der Attentate, nur wenige Monate später wird Wolfang Schäuble angegriffen. Ihn bringt die Attacke in den Rollstuhl.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 25.04.2020 berichtet.

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