Arzthelferin Martina Jakob sitzt mit Mundschutz in einer Allgemeinarztpraxis in Schwalbach hinter einer Plexiglasscheibe am Tresen und telefoniert. (Foto: Sarah Sassou/SR)

Corona: Arzthelferin appelliert an Vernunft

Sarah Sassou / Onlinefassung: Axel Wagner   05.01.2021 | 12:05 Uhr

Eine Arzthelferin setzt sich zusammen mit Kolleginnen für Corona-Aufklärung ein. Sie ist Ende 30, ziemlich sportlich und hatte trotzdem einen mittelschweren Verlauf mit Krankenhausaufenthalt. Sie kann es nicht fassen, wie unaufgeklärt die Leute sind, wenn sie mit Corona-typischen Symptomen in die Allgemeinarztpraxis kommen.

Martina Jakob sitzt mit FFP2-Maske hinter einer Plexiglasscheibe am Empfang der Hausarztpraxis in Schwalbach und telefoniert mit einer Patientin mit Erkältungssymptomen. Wer hustet oder niest, darf nicht einfach so ohne Termin reinkommen, das besagen Schilder am Praxiseingang.

Arzthelferin fassungslos über sorglose Corona-Patienten
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 05.01.2021, Länge: 02:39 Min.]
Arzthelferin fassungslos über sorglose Corona-Patienten

Trotzdem stehen immer wieder solche Patientinnen und Patienten ohne Anmeldung vor dem Praxisteam, beklagt Arzthelferin Martina Jakob. „Dann passiert es halt auch häufig, dass dann gegen 11.00 Uhr die Patienten vor mir stehen und sagen: Ich habe ja versucht anzurufen, ich bin nicht durchgekommen. Ich bin erkältet.“

Ich hatte noch nie solche Schmerzen.

Die schlanke Enddreißigerin hat mit ihrem Partner sechs Kinder. Zum Ausgleich treibt sie viel Sport – so auch an einem Abend im Frühjahr, als sie nach einer Joggingrunde ein Kratzen im Hals spürte. Sie ging von einem Allergieschub aus – bis sie hohes Fieber bekam, das sich nicht senken ließ.

„Ich fühlte mich richtig krank. Und das wurde von Tag zu Tag schlimmer, bis ich dann freitags das positive Ergebnis bekam.“ Jakob war eindeutig an Covid-19 erkrankt. Zehn Tage durchlitt sie Höllenqualen. „Samstags bin ich dann ins Krankenhaus gekommen, weil sich das Fieber nicht senken ließ und es mir körperlich immer schlechter ging. Ich hatte noch nie in meinem Leben solche Körperschmerzen. Der ganze Körper, jede Bewegung, die Haut, es hat einfach alles fürchterlich wehgetan. Das kann man sich nicht vorstellen. Ich hatte noch nie solche Schmerzen.“

Bei der Arbeit angesteckt

Martina Jakob vermutet, dass sie sich bei der Arbeit angesteckt hat. Wegen ihrer Corona-Erkrankung musste die Praxis 14 Tage schließen. Wenn sie nun, ein dreiviertel Jahr später, sieht, dass sich viele Menschen immer noch nicht an die wichtigsten Corona-Regeln halten, dann kann sie das nicht nachvollziehen.

„Wenn man selbst Corona hatte, ist das wie ein Schlag ins Gesicht, wenn sich dann wirklich Leute da hinstellen und sagen: Das ist Pillepalle. Vor allem, wenn man halt auch weiß, dass Menschen daran gestorben sind, und wenn man Leute kennt, die daran gestorben sind.“

Viele sind verunsichert

Ein weiteres Problem: „Viele Menschen sind verunsichert, haben Angst, wenden sich dann an uns, weil sie beim Gesundheitsamt nicht durchkommen. Wir beraten, wir klären auch gerne auf. Aber es macht den Praxisalltag schwer. Regulärpatienten mit Beschwerden, die eventuell auch akut sind, kommen in der Praxis nicht durch, weil wir Aufklärungsarbeit leisten müssen.“

Durch die Impfung werde es nun besser, hofft Martina Jakob. Aber bis alle, die wollen geimpft sind, werden noch Monate vergehen. „Deswegen mein Appell an alle: Abstandsregeln einhalten, Mundschutz, Händehygiene, und niemals eine Arztpraxis betreten, ohne vorher anzurufen. Weil: Wenn [Corona] erst einmal in der Praxis ist und sie geschlossen werden muss, haben ganz viele Patienten ein Problem.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 05.01.2021 berichtet.

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