In einem Einkaufswagen schiebt eine Frau ihre Habseligkeiten auf der Zeil in Frankfurt an geschlossenen Geschäften vorbei. Unterdessen denken Politik und Wissenschaft weiter über eine Verlängerung des Lockdown über den 10. Januar hinaus nach. (Foto: picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Hüther: Insolvenzwelle wird „Belastungsprobe“

Yvonne Schleinhege / Onlinefassung: Axel Wagner   05.01.2021 | 12:44 Uhr

Der November-Lockdown hat bislang kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das ist vor allem der Kurzarbeit zu verdanken. Noch ist aber völlig unklar, wie sich das erneute Herunterfahren Mitte Dezember auswirkt und was das Frühjahr mit Blick auf die Jobs im Saarland bringt.

Wer in diesen Tagen durch die Innenstädte schlendert, der sieht ein tristes Bild. Die meisten Geschäfte sind dunkel, vor den Restaurants steht Außenbestuhlung zusammengestapelt, aus den Frisörsalons ist nicht das typische Föhnen zu hören. Die Mitarbeiter in diesen Branchen sind in Kurzarbeit.

Deutlich mehr Kurzarbeit

Ausblick auf den Arbeitsmarkt 2021
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 05.01.2021, Länge: 03:02 Min.]
Ausblick auf den Arbeitsmarkt 2021

„Das merkt man sehr deutlich“, sagt auch Walter Hüther, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit im Saarland. „Die Kurzarbeiteranzeigen und -anträge sind wieder deutlich gestiegen. Das bedeutet allerdings auch, dass wir weniger Arbeitslose haben, was ja der schöne Effekt des Kurzarbeitergeldes ist.“

Kurzarbeit und andere staatliche Unterstützungsprogrammen – sie sorgen dafür, dass die Arbeitslosenzahlen im Dezember kaum gestiegen sind, um nur 0,3 Prozent. Aktuell sind 37.900 Saarländerinnen und Saarländer arbeitslos gemeldet. Das ist noch aus einem zweiten Grund ungewöhnlich für einen Dezember. „Wenn man die Vergleichsmonate der letzten Jahre sieht, waren wir da schon etwas erstaunt, dass nicht mehr Arbeitslose, auch saisonbedingt, zu uns kommen“, so Hüther.

Untypische Entwicklung

Denn so banal es klingt: Mit den kalten Temperaturen steigt in der Regel die Arbeitslosigkeit. Daher ist man bei der Bundesagentur für Arbeit im Saarland vorsichtig optimistisch für das noch junge Jahr 2021.

Der zweite, harte Lockdown ab Mitte Dezember spiegelt sich aus statistischen Gründen allerdings noch nicht in den Zahlen wieder. Welche Folge er also hat und noch haben wird, ist eine der großen Unbekannten. Momentan legen sich die staatlichen Unterstützungs-Programme wie eine schützende Hand über den Arbeitsmarkt. Nebeln sie ihn vielleicht sogar ein?

„Das ist mir ein bisschen zu negativ“, wirft Hüther ein. „Sie geben den Unternehmen die Chance, diese Zeit zu überbrücken und damit auch die Arbeitnehmer in Arbeit zu halten.“

Folgen werden sichtbar

2020 wurden allein im Saarland über 280 Millionen Euro Kurzarbeiter Geld ausgezahlt – 2021 läuft das noch weiter. Und dennoch muss man damit rechnen, dass die Folgen des Lockdowns auf den Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten sichtbar werden.

Noch ist die Insolvenzantragsflicht bis vorerst Ende Januar ausgesetzt. Das heißt vereinfacht: Pandemie-gebeutelte Unternehmen müssen im Januar noch keinen Insolvenzantrag stellen. Eine Insolvenzwelle wird es aber geben, die Arbeitslosigkeit wird steigen.

„Das wird schon eine Belastungsprobe“, sagt Hüther. „Wir gehen immer noch von einer Steigerung aus, bereiten uns auch darauf vor. Wir können aber nicht prognostizieren, in welcher Größenordnung das kommt.“

Ziel: Quote bei sieben Prozent halten

Die Arbeitslosenquote in diesem Jahr bei etwa sieben Prozent zu halten, das ist das durchaus etwas optimistisch formulierte Ziel von Walter Hüther. Die kommenden Monate Februar, März – sie werden vielleicht zeigen, wie es wirklich am Arbeitsmarkt steht. „Die Ehrlichmachung wird schon ein Stück weit stattfinden, weil man dann sieht: Wer hat es wirklich geschafft? Im Moment gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass das nicht gelingen könnte.“

Klar ist aber auch: Das Corona-Jahr 2020 war ein harter Schnitt für den Arbeitsmarkt im Saarland: Über 16 Prozent der Jobs sind verloren gegangen, und damit sind auch persönliche Schicksale verbunden. Das wieder aufzuholen, wird mehr als ein Jahr dauern.

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Leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember
Im Dezember ist die Arbeitslosigkeit im Saarland leicht gestiegen. Es waren 100 Saarländerinnen und Saarländer mehr ohne Job als einen Monat zuvor. Die Arbeitslosenquote liegt weiter bei 7,1 Prozent.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 05.01.2021 berichtet.

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