Kleine Plastikfiguren vor dem Logo der Arbeitsagentur (Foto: dpa)

Viele neue Jobs in der Wissenschaft

Karin Mayer / Ute Kunsmann   19.12.2018 | 19:13 Uhr

Das gab es lange nicht im Saarland: knapp 30.000 Stellenangebote wurden in diesem Jahr bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die Arbeitslosenquote ist stetig gesunken.

Im Jahresdurchschnitt liegt die Arbeitslosenquote bei 6,1 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren 32.200 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. 2500 weniger als vor einem Jahr. Gleichzeitig ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in allen Branchen gewachsen. Langzeitarbeitslose profitieren von der guten Entwicklung, aber auch Menschen mit Migrationshintergrund.

Beschäftigung wächst langsam

Bemerkenswert findet Heidrun Schulz von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit: in der Wissenschaft sind besonders viele neue Jobs entstanden. Ob sich der positive Trend am Arbeitsmarkt fortsetzen wird, ist offen. Die Entwicklungen im Fahrzeugbau, aber auch der Brexit sorgen für Unsicherheit. Für 2019 erwartet die Chefin der Regionaldirektion allenfalls einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Die Beschäftigung kann vermutlich nur noch langsam wachsen.

Video [aktueller bericht, 19.12.2018, Länge: 3:17 Min.]
Jahresbilanz bei der Bundesagentur für Arbeit

Wichtiger Faktor Autoindustrie

Ein wichtiger Schlüsselfaktor ist die Autoindustrie. Immerhin arbeiten in keinem Bundesland pro Einwohner so viele Beschäftigte in der Autoindustrie wie im Saarland. Hier können Meldungen vom Produktionsrückgang und geplanten Personalabbau von rund 1.600 Stellen bei Ford in Saarlouis schnell das ganze Land durchrütteln.

Im Saarland arbeiten rund 44.000 Menschen in der Autoindustrie. Eine Hälfte im Bereich des Verbrennungsmotors, die andere Hälfte – und dazu gehört Ford in Saarlouis – im allgemeinen Fahrzeugbereich, sowie im Bereich Ausrüstung und Produktionsanlagen. Bei dem starken Akzent auf dem Autosektor schlagen aktuelle Probleme wie die Dieselabgase hier besonders zu Buche. „Die Dieselthematik ist für uns besonders unglücklich“, sagt Pascal Strobel, Leiter des Netzwerkes automotive.saarland. „Die neuen Diesel haben keine Schwachstellen mehr, aber diese Technik wird in Sippenhaft genommen.“

Die am Dienstag beschlossene Verschärfung der CO2-Grenzwerte in der EU um 37,5 Prozent könnte bei einer Neubetrachtung der Thematik helfen. Sie stellt nämlich auch Benziner an den Pranger. Modernen Dieselfahrzeugen könnte das theoretisch Auftrieb verleihen.

Zukunftsthemen

„Aber es setzt insgesamt unsere Arbeitsplätze unter Druck“, so Strobel. „22.000 Beschäftigte, die rund um den Verbrennungsmotor arbeiten, der mit seinen Emissionen voll eingeht.“ Das Elektromobil, das ja eigentlich auch Emissionen verursache, werde aber nicht berücksichtigt. Viele Hersteller investierten inzwischen in die Elektromobilität, im Saarland beispielsweise Bosch, Schaeffler und vor allem ZF. Allein dieser Konzern will in den kommenden vier Jahren 800 Millionen Euro in Saarbrücken investieren.

Video [aktueller bericht, 19.12.2018, Länge: 2:33 Min.]
Arbeitsplätze im Autoland Saar

Und für die Autozukunft des Saarlandes ist auch eine ausgeprägte IT-Kompetenz von großer Bedeutung. „Gerade die Themen Cybersicherheit, die Sicherheit von Computersystemen und das Autonome Fahren sind ja Treiberthemen in der Autobranche“, sagt Strobel. „Wir haben hier im Land die IT-Kompetenz, um das abzudecken. Wir nutzen diese Kompetenzen auch für die Produktion.“

Das sind erste Wettbewerbsvorteile – inwieweit sie den Arbeitsmarkt bestimmen werden, muss die Zukunft aber noch zeigen.

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Weniger Arbeitslose, mehr Beschäftigte
Weniger Arbeitslose, mehr Beschäftigte

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Region am Mittag am 19.12.18 berichtet.

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