Aus Scrabble-Steinen gebildeter Schriftzug Hartz IV auf Geldscheinen (Foto: dpa)

Aufstockerin verliert Zuverdienst

Sarah Sassou   19.05.2020 | 16:30 Uhr

Unter den negativen Auswirkungen einer Krise leiden zunächst einmal die Schwachen. Auch jetzt in der der Corona-Pandemie ist das so. Die Arbeitslosigkeit ist innerhalb von vier Wochen stark angestiegen, im April waren 38.000 Menschen ohne Job. Getroffen hat es vor allem Beschäftigte in Dienstleistungsberufen, darunter viele Aushilfen und befristet Beschäftigte. Auch Ruth Schirra aus Saarbrücken hat ihren Job nun wegen Corona verloren.

Corona: Harz-4-Aufstockerin verliert Zuverdienst
Audio [SR 3, (c) SR/Sarah Sassou, 19.05.2020, Länge: 02:59 Min.]
Corona: Harz-4-Aufstockerin verliert Zuverdienst

Ruth Schirra ist 58, die grauen Haare trägt die schlanke Frau in Stufen bis über die Schultern. Ihr Outfit ist mit Jeans und locker sitzendem Oberteil praktisch und bequem: genau richtig für ihren Job als Begleitperson bei einem Fahrdienst. Sie hat Kinder mit Behinderungen auf dem Weg zur Kita und nach Hause beaufsichtigt. "Die Kinder singen uns regelmäßig neue Lieder vor, erzählen, was sie über den Tag gemacht haben, das ist schon lustig und schön", sagt sie. Ein paar Stunden jede Woche hat sie bei den Fahrdienst in Saarbrücken gearbeitet, bis Corona dafür sorgte, dass die Kitas geschlossen wurden und damit hatte sich auch ihr Job und der ihrer Kolleginnen im Kita-Fahrdienst erledigt. Dem Chef blieb nur die Kündigung, weil Kurzarbeit für Mini-Jobber nicht möglich ist. Dabei kann Ruth Schirra eigentlich nicht auf den Verdienst verzichten: "Ich bin Harz 4-Aufstockerin und der Anteil des Zuverdienst fehlt jetzt."

165 Euro fehlen monatlich

165 Euro hat ihr der Job monatlich gebracht. Kein Vermögen, doch das Geld hat Ruth Schirra so manches ermöglicht, zum Beissiel neue Schuhe, Kleider oder Bustickets.

Ruth Schirra ist alles andere als schlecht ausgebildet. Sie hat Friseurin, dann Bürokauffrau gelernt und viel Berufserfahrung in anderen Bereichen gesammelt, erzählt sie. Vor fünf Jahren kam dann der Umbruch: Ruth Schirra hält ihre rechte Hand hoch, sie ist leicht geschwollen, eine große Narbe läuft quer über den Unterarm. Sie sei chronisch krank, eine aggressive Form von Rheuma. Die Hand nur noch beschränkt funktionsfähig.

Hoffnung auf Rückkehr in den Job

In ihrem Leben hat die Saarbrückerin gelernt, optimistisch zu bleiben. Sie will arbeiten, am liebsten in einem Archiv, da käme sie trotz Rheuma gut zurecht, ist sie überzeugt. Aber ihr ist auch klar: Gerade ist ein schlechter Zeitpunkt, einen neuen Job zu suchen, bei den Arbeitsagenturen werden kaum freie Stellen gemeldet. Ruth Schirra, auch sie ist ein Opfer von Corona. Und trotzdem bleibt sie hoffnungsvoll: "Ich denke, ich kann Mitte Juni nochmal zurück und mit den Kindern arbeiten."

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" auf SR3 Saarlandwelle am 13.05.2020 berichtet.

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