Stahlindustrie Symbolbild (Foto: picture alliance / dpa | Julian Stratenschulte)

Saarländische Stahlindustrie will CO2-arm produzieren

Frederic Graus   09.06.2022 | 13:00 Uhr

Die saarländische Stahlindustrie steht vor großen Umbrüchen. Sie will weg von der klimaschädlichen Produktion hin zu grünem Stahl. Konkret sollen mithilfe von Wasserstoff die Co2-Emmissionen drastisch gesenkt werden. Doch das Ganze kostet enorm viel Geld. Alleine können die Saar-Unternehmen das nicht stemmen. Am 9. Juni hat die saarländische Stahlbranche ihre Pläne für die Zukunft vorgestellt.

Die Unternehmen Saarstahl und Dillinger planen massive Investitionen in die Produktion von so genanntem grünen Stahl. Nach eigenen Angaben haben sie einen gemeinsamen Fahrplan zur Transformation der saarländischen Stahlindustrie beschlossen.

Audio

Saarländische Stahlindustrie will bis 2045 Kohlenutzung beenden
Audio [SR 3, Frederic Graus, 09.06.2022, Länge: 03:02 Min.]
Saarländische Stahlindustrie will bis 2045 Kohlenutzung beenden

Bis 2027 sollen insgesamt 2,8 Milliarden Euro in die Infrastruktur zur Produktion von grünem, also CO2-armem Stahl fließen. Perspektivisch soll eine weitere Milliarde Euro in die Standorte Völklingen und Dillingen gesteckt werden. Geplant ist unter anderem der Bau von zwei sogenannten Elektro-Lichtbogenöfen.

Abschaltung alter Hochöfen

Im Gegenzug soll bis 2030 ein alter Hochofen in Dillingen geschlossen werden. Langfristig wird nach Angaben der Unternehmen auch ein zweiter Hochofen abgeschaltet. Dadurch könnten signifikante Einsparungen bei den CO2-Emissionen erreicht werden.

Das Ganze geschieht vor dem Hintergrund politischer Vorgaben. Im Klimaschutzgesetz schreibt die Bundesregierung vor, dass die CO2-Emmissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken müssen.

Finanzierung mithilfe von Fördergeldern

Die Maßnahmen sollen unter anderem mit Fördergeld der EU finanziert werden. Doch um das im Saarland zu erreichen, braucht es auch massive Unterstützung von der Politik, fordern Saarstahl und Dillinger.

Schon in den kommenden Wochen wollen Saarstahl und Dillinger gemeinsam Förderanträge bei Bund und EU einreichen, erklärt Reinhard Störmer, Aufsichtsratsvorsitzender bei Saarstahl und Dillinger. "Wir gehen davon aus, dass das Dekarbonisierungsprogramm der Bundesregierung ein Prozentsatz zwischen 30 und 40 Prozent an Fördermitteln - bezogen auf die Investitionssumme - ermöglicht."

Umstellung kostet letztendlich Arbeitsplätze

Was genau die groß angelegte Transformation der saarländischen Stahlindustrie für die Arbeitsplätze im Land bedeutet, ist allerdings noch nicht klar. Laut Karl-Ulrich Köhler könnten jedoch zahlreiche Jobs gefährdet sein. Er rechnet damit, das es bis zur endgültigen Umstellung bis zu 1000 Arbeitsplätze sein könnten, die dann wegfallen.


Mehr zum Thema


Stahlbranche plant Kohleausstieg
Audio [SR 3, Lars Ohlinger (c) SR, 09.06.2022, Länge: 03:31 Min.]
Stahlbranche plant Kohleausstieg
Die Saarländische Stahlbranche rüstet sich für die Zukunft und will weg von der Kohle hin zur CO2-ärmeren Produktion mit Hilfe von Wasserstoff. Das macht die Branche nicht ganz freiwillig - Vorgaben der EU stecken auch dahinter. Ein vollständiger Umbau der saarländischen Stahlindustrie hin zum Wasserstoff ist ein Milliardenprojekt. Wer das alles bezahlen soll - war bisher noch nicht ganz klar. Dazu im Studiogespräch: Lars Ohlinger aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 09.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja