14.10.2020, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (3.v.r) kommt mit Markus Söder (r, CSU), Ministerpräsident von Bayern, und Michael Müller (l, SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder zu steigenden Infektionszahlen und weiteren Corona-Maßnahmen zu einer Pressekonferenz. (Foto: dpa / picture alliance / AFP Pool  / Stefanie Loos)

"Merkel geht unidelogisch an die Dinge heran"

Interview: Michael Friemel / Peter Dausend   29.10.2020 | 07:25 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Deutschland bereits durch eine Weltwirtschaftskrise geführt. Die größte Krise in ihrer Amtszeit ist jedoch derzeit die Corona-Pandemie. Sie wirkt ruhig und überlegt. Zum ersten Mal gab es nun auch eine gemeinsame Entscheidung aller Länder. Hat Merkel sich neu erfunden? Oder ist sie die geborene Krisenmanagerin? Der aus dem Saarland stammende Korrespondent der Wochenzeitung "Zeit" in Berlin findet: Letzteres.

Peter Dausend: Angela Merkel, die Krisenmanagerin.
Audio [SR 3, Michael Friemel / Peter Dausend, 29.10.2020, Länge: 03:14 Min.]
Peter Dausend: Angela Merkel, die Krisenmanagerin.

Kanzlerin Merkel sei ja immer sehr gelobt worden und gerühmt, waren gefeiert worden für ihre Ruhe und Gelassenheit. In den vergangenen Wochen habe er aber eine andere Kanzlerin erlebt. Eine eine Kanzlerin, die sehr unduldsam wurde mit den Ministerpräsidenten, die nicht auf ihre Linie einschwenken wollten. Unduldsam auch mit den Leuten, die so sehr sorglos mit den wachsenden Infiziertenzahlen umgegangen sind und sich nicht an Regeln hielten. Als Beispiel nennt Dausend eine Hintergrundrunde bei ihrem Kanzleramt. Da habe Merkel ihre Ruhe und Gelassenheit ein Stück weit verloren, als es um Corona ging und die Art und Weise, wie die Leute damit umgingen.

"Merkel hat das Land sicher durch Krisen geführt"

Für Dausend ist Merkel eine Krisenmanagerin. Vor vor zwölf Jahren hatte sie die Finanzkrise und die Euro-Krise zu überstehen, dann die Migrationskrise 2015. "Krisen haben immer ihre Amtszeit geprägt, und dass sie das Land sicher durch diese Krisen geführt hat, ist, glaube ich, der Hauptgrund für ihre heutige Popularität."

Dass sie so viele Fans auch unter Nicht-CDU-Wählern habe, liege wahrscheinlich daran, dass Merkel vollkommen unideologisch an die Dinge herangehe. Das mache sie attraktiv für Leute, die nicht zwingend Unions-nah sind. Sie habe auch immer Positionen anderer Parteien übernommen, um sie in der politischen Auseinandersetzung zu entwaffnen, das berühmte Schlagwort der "asymmetrischen Demobilisierung".

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 29.10.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja