Vom Koch zum Rangierlokbegleiter: Christoph Spang (Foto: Karin Mayer/SR)

Vom Kochtopf auf die Schiene

Anders arbeiten: Gelernter Koch wagt den Neustart

Karin Mayer / Onlinefassung: Axel Wagner   25.04.2022 | 12:50 Uhr

In der Corona-Pandemie hat sich die Arbeitswelt verändert. Besonders hart hat es die Gastronomie getroffen – zwei Lockdowns. Die Beschäftigten mussten die Hände in den Schoß legen und mit weniger Geld auskommen. Weil das an den Nerven zehrt, sind viele auf Jobsuche gegangen.

Eigentlich war es ein Traumjob für Christoph Spang: Als 14-Jähriger hatte er ein Berufspraktikum in einer Küche gemacht und war begeistert. „Meine Tante in Bayern hat damals als Küchenhilfe in einem Altersheim gearbeitet. Die hat mich damals mitgenommen, und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich damals dazu entschieden habe, diesen Beruf auszuüben.“

Nur mehr Kurzarbeitergeld

Nach der Schule machte Spang eine Ausbildung zum Koch und arbeitete über zehn Jahre lang in der Küche. Aber dann kamen Corona und der erste Lockdown. Das sei eine schwierige Situation gewesen. „Man fühlt sich nutzlos, so hilflos, zuhause zu sitzen quasi wie jemand, der ohne Beschäftigung ist.“

Gelernter Koch wagt den Neustart
Audio [SR 3, Karin Mayer, 25.04.2022, Länge: 03:04 Min.]
Gelernter Koch wagt den Neustart

Das Geld war knapp, der Arbeitgeber stockte das Kurzarbeitergeld nicht auf. „Über allem hing auch immer dieses Damoklesschwert: Wie lange hält der Betrieb das mit dieser Schließungsanordnung noch durch?“

Der Staat habe zwar zugesagt, einen Teil der Betriebskosten zu ersetzen, so Spang. „Aber es war immer alles andere als sicher, ob wir am nächsten Tag noch unseren Job haben werden.“ Komplett unbegründet waren diese Sorgen nicht: Fast 40 Prozent der Gastronomiebetriebe im Saarland haben im Sommer 2021 um ihre Existenz gebangt.

Vom Kochtopf an die Schiene

Im zweiten Lockdown war es für Christoph Spang soweit: Sein Arbeitgeber war insolvent. „Wir hatten zwar drei Monate lang Insolvenzgeld, aber wir wussten eigentlich bis zum 31.7. überhaupt nicht wie es weitergeht.“

Für Christoph Spang ist das ein Wendepunkt. Von einem ehemaligen Kollegen erfuhr er, dass die Bahn-Tochter DB Cargo Leute einstellt. Die Perspektive: ein sicherer Arbeitsplatz mit besserer Bezahlung. Also hat er der Gastronomie den Rücken gekehrt.

Lernen im Homeoffice

Seit Februar macht Spang nun eine Ausbildung zum Rangierlokbegleiter. Stolz erklärt er, was zu seinen neuen Aufgaben gehört. „Wir schauen, dass wir die Wagen von den einen Gleisen zu den anderen versetzen, dass wir Wagen miteinander kuppeln, dass wir Wagen voneinander trennen, dass wir mehr Güter von der Straße wieder weg auf die Schiene bekommen.“

Seit Februar drückt der gelernte Koch nun wieder die Schulbank, im Homeoffice lernt er die Grundlagen für seinen neuen Job. Dazu kommen tageweise Einsätze im Güterverkehr. „Mir geht es wesentlich besser als vorher.“

Früherer Traumjob an den Nagel gehängt

In seinem alten Job in der Gastronomie habe er zum Schluss nur noch das Gefühl gehabt, auf der Stelle zu treten und nicht voran zu kommen, sagt Spang. „Ich hatte keinerlei Aufstiegschancen, keinerlei Chancen, eine Lohnerhöhung zu bekommen, obwohl ich jahrelang nachgefragt habe.“  

Christoph Spang steht jetzt strahlend am Bahngleis. Seinem früheren Traumjob hat er den Rücken gekehrt – für ihn eine klare Folge der Corona-Pandemie. „Ich war seit 15 Monaten in Kurzarbeit ohne betriebliche Aufstockung, musste quasi nur von dem Kurzarbeitergeld vom Staat leben. Das waren zum Schluss knapp 1000 Euro im Monat gewesen. Und es hat sich zum Schluss für mich keine Perspektive mehr ergeben.“


Mehr zum Thema


"Land & Leute", 01. Mai 2022
Anders arbeiten
Wie die Pandemie die Arbeitswelt verändert hat. Ein Feature von Karin Mayer. Zu hören am Sonntag auf SR 3 Saarlandwelle.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 25.04.2022 berichtet.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja