Maikundgebung in Saarbrücken 2018 (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Videoschalten statt persönlichem Kontakt

Anders arbeiten: Gewerkschaften

Karin Mayer   29.04.2022 | 12:50 Uhr

Eine Demonstration mit Kundgebung am 1. Mai – das hat am Tag der Arbeit lange Tradition. In den letzten beiden Jahren war das nur eingeschränkt möglich. Die Gewerkschaften haben ihre Mitglieder online oder im Autokino zu Kundgebung gerufen. Auch für Gewerkschaftsmitarbeiter hat sich durch die Pandemie der Arbeitsalltag stark verändert hat.

1. Mai - die Menschen gehen auf die Straße, treffen sich zur Kundgebung. In den letzten zwei Jahren war das anders: Es gab Video-Grußbotschaften oder Autokino. Das sei einfach nicht das gleiche, wie wenn man sich vor Ort auf der Straße treffe, so Markus. Es fehle einfach die Atmosphäre.

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Anders Arbeiten: Gewerkschaften
Audio [SR 3, Karin Mayer, 29.04.2022, Länge: 03:43 Min.]
Anders Arbeiten: Gewerkschaften

Der Kontakt zu den Menschen hat gefehlt

Beschäftigte wie Markus, aber auch Gewerkschaftsvertreter mussten sich in der Zeit der Pandemie umstellen. Einfach mal raus in den Betrieb, Menschen treffen und über ihre Situation sprechen - für Tanja Lauer von Verdi Rheinland-Pfalz Saarland war das in den letzten zwei Jahren deutlich schwieriger. "Das Herzstück der Gewerkschaftsarbeit - mit Menschen zusammen zu arbeiten - kam sehr, sehr kurz." Der direkt Kontakt zu den Menschen konnte nicht stattfinden und das habe ihr auf die Dauer doch sehr gefehlt, sagt sie.

Videoschalten und Telefonkonferenzen statt persönlicher Treffen

In den letzten beiden Jahren hat sie zwar weniger Zeit im Auto verbracht, weil Termine vor Ort nicht möglich waren, dafür um so mehr Zeit in Videoschalten. Es sei schon häufig passiert, "dass man, getaktet, von einer Videokonferenz zur nächsten Telefonkonferenz unterwegs war."

Auf die virtuellen Konferenzen hat sich Mark Baumeister von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten komplett eingestellt. In seinem Besprechungsraum steht in der Mitte eine 360 Grad-Kamera. "Früher war das hier hauptsächlich der Raum, in dem wir hauptsächlich Tarifverhandlungen geführt haben. Jetzt hat sich unsere Arbeit ganz viel in den ditigalen Bereich verlegt."

Mark Baumeister hat Spaß an der neuen Technik. Und er hat neue Möglichkeiten für die Gewerkschaftsarbeit entwickelt. Am Vormittag in seinem Büro ist es trotzdem ruhig. Es klingelt nicht an der Tür, Kollegen sind nicht vor Ort. Die Menschen fehlen.

Vorfreude auf den 1. Mai

Der 1. Mai dieses Jahr? Für Mark Baumeister ein ganz besonderer Termin. Der erste Mai sei ja ein richtiges Familientreffen und er freue mich darauf, die Menschen wiederzusehen. Jetzt hofft er auf gutes Wetter "und auf viele tausend Menschen, die sagen: Gemeinsam sind wir stark und nur gemeinsam sind wir durch diese Krise gekommen."

Die Gewerkschaften haben während der Pandemie Mitglieder verloren - auch weil der persönliche Kontakt gefehlt hat. Tanja Lauer von Verdi Rheinland-Pfalz/Saarland hofft, dass mit dem 1. Mai ein Neustart beginnt - auch für ihren Job. Sie sei richtig aufgeregt, sagt sie.

Am Tag der Arbeit wird es in Saarbrücken, Trier und in Mainz in Kundgebungen und Demonstrationen geben. Die Gewerkschaften hoffen auf viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer.


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