Ali Gholami in seinem Wohnzimmer (Foto: SR)

Angst um Familie und Freunde

mit Informationen von Carolin Dylla   17.08.2021 | 07:12 Uhr

Viele Menschen in Afghanistan sind verzweifelt. Seitdem die radikal-islamistischen Taliban die Macht ergriffen haben, wollen viele einfach nur raus aus dem Land. Deutschland hat zugesagt, bis zu 10.000 Menschen aus Afghanistan auszufliegen. Die Frage ist nur, wie schnell das passieren wird. Die Sorgen sind groß, nicht nur in Afghanistan selbst, sondern auch bei den Afghanen, die im Saarland leben.

Familie in Afghanistan: "Ich habe panische Angst"
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Familie in Afghanistan: "Ich habe panische Angst"

Seit Tagen versucht Ali Gholami, seinen Bruder in Kabul per WhatsApp-Anruf zu erreichen. Ohne Erfolg. Er selbst ist vor neun Jahren nach Deutschland gekommen – seine Mutter, sein Bruder und seine Schwestern leben dagegen noch in Afghanistan. "Ich habe panische Angst davor, was meiner Familie passieren wird, wenn die Taliban mitbekommen, dass ich in Deutschland bin", sagt Ali Gholami.

Der gebürtige Iraner Asgar Abbaszadeh hat drei Jahre Aufbauarbeit in Afghanistan geleistet, arbeitet bis heute als Übersetzer. In der Zivilgesellschaft sieht er große Veränderungen, die die Taliban nicht kaputt machen könnten. Die Arbeit der zivilen Organisationen sei also nicht umsonst gewesen: „Im Vergleich zur früheren Talibanzeit hat sich vieles geändert. Das Bewusstsein vor allem bei Frauen hat sich im positiven Sinne geändert. Sie lassen nicht mehr alles mit sich machen.“

„Die Taliban haben sich nicht verändert"

Ali Gholami ist trotzdem wenig zuversichtlich, denn die Taliban hätten sich im Gegensatz zur Gesellschaft nicht verändert: „Die Taliban haben sich nicht verändert, das sind Dschihadisten.“ Deshalb werde auch das zuletzt eher gemäßigte Auftreten der Taliban nicht allzu lange halten, glaubt er. Sollten sie ihre Macht festigen, dann könnte es vor allem für Mädchen und Frauen mehr als schwierig werden.

Ali Gholami hofft weiter auf Neuigkeiten von seiner Familie. Dass die Bundesregierung bis zu 10.000 Menschen, darunter auch afghanische Ortskräfte und deren Familien aufnehmen will, sei prinzipiell gut, findet er. Genug sei das aber nicht: „Es geht auch um die anderen Menschen. Es sind 33 Millionen Menschen dort, die haben keine Angehörigen hier. Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Regierung auch denen in den Provinzen hilft.“


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Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saalandwelle in der Sendung "Guten Morgen" am 17.08.2021 berichtet.

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