Radfahrerin neben einen Auto im Straßenverkehr (Foto: dpa)

Mindestabstand beim Überholen von Fahrrädern

Simone Mir Haschemi / Onlinefassung: Raphael Klein   10.08.2019 | 08:30 Uhr

Wenn man mit dem Auto ein Fahrrad überholen will, sollte man Abstand halten. Doch wieviel? Gesetzlich festgelegt ist das bislang nicht. Deshalb will Bundesverkehrsminister Scheuer jetzt die Straßenverkehrsordnung ändern, um Radfahrer zu schützen.

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Fahrräder überholen - demnächst mit Mindestabstand
Audio [SR 3, Simone Mir Haschemi , 10.08.2019, Länge: 02:17 Min.]
Fahrräder überholen - demnächst mit Mindestabstand

In Luxemburg gibt es eine gesetzliche Abstandsregelung schon jetzt. Dort heißt es schlicht: Wo es vom Platz nicht geht, darf das Auto eben nicht überholen. Wer innerorts in Deutschland künftig Radfahrer überholen will, muss nach Bundesverkehrsminister Scheuers Plänen dann 1,50 Meter Seitenabstand halten.

Kritik von ADFC und Verkehrsrechtsanwalt

Nur: In Städten in Tallagen wie Saarbrücken kann das in der Praxis ganz schön schwierig werden. Das finden auch so manche Saarbrücker Radfahrer. Durch die engen und oft zugeparkten Verkehrswege komme es häufig dazu, dass Autofahrer sehr dicht überholten. 1,50 Meter Seitenabstand - der Fahrradclub ADFC Saar hat das letztens mit einer Poolnudel getestet. Diese Schwimmhilfe bildete am Fahrrad montiert genau den von Scheuer geplanten Abstand. Bei diesem Test hätten viele überholende Fahrzeuge die Poolnudel gestreift, so Joachim Hase vom Radfahrclub ADFC Saar.

Auch der Homburger Verkehrsrechtsanwalt Hans-Jürgen Gebhardt sieht Scheuers Pläne problematisch. Die Abstandsregelung sei innerstädtisch nicht praktikabel und führe dort zu einer Ausbremsung des Verkehrs, da das Überholen von Fahrrädern praktisch kaum noch machbar sei. Außerdem habe er Bedenken, wie eine solche Regelung kontrolliert werden könne. Das Problem unzureichender Kontrollierbarkeit sieht man auch beim ADFC: Es brauche deshalb eher eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme, fordert Hase.

Trotzdem: Als Autofahrer sollte man schon jetzt die 1,50 Meter Abstand bedenken. Denn dass das als sinnvoller Richtwert gilt, haben bei Unfällen bislang schon oft Gerichte so entschieden.

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Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 10.08.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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