Ford: 1600 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden (Foto: SR)

"Eine unbefriedigende Situation"

Karin Mayer   09.09.2020 | 14:54 Uhr

Gestern noch beim Autogipfel in Berlin - heute schon im Ford-Werk Saarlouis: IG-Metall Chef Jörg Hofmann ist zu Gast im Saarland. Und vielleicht ist er hier erfolgreicher als noch in Berlin: Da hat er die erhoffte Kaufprämie für Autos mit Verbrenner-Motoren vorerst nicht aushandeln können. Sein Auftrag: sich für die Zukunft des Standortes in Saarlouis stark zu machen.

Die Produktion im Ford-Werk Saarlouis läuft. Das Werk ist gut ausgelastet, so das Unternehmen. Die Stimmung in der Belegschaft ist trotzdem angespannt. Bis 2024 soll das Auto vom Band laufen. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Zeitnahe Entscheidung gefordert

Der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal fordert deshalb klare Zusagen für den Standort. Damit geht er seit langem Klinkenputzen und die Zeit drängt: "Innerhalb dieses Jahres, spätestens Anfang 2021 muss eine Entscheidung kommen. Ansonsten haben wir hier große Schwierigkeiten vor der Brust"

Verhandelt wird darüber nicht. Der Standort ist auf Entscheidungen im Konzern angewiesen und auf Unterstützung von außen. Deshalb ist IG Metall-Chef Jörg Hofmann nach Saarlouis gekommen: "Es ist eine extrem unbefriedigende Situation, dass hier niemand weiß, wie es nach 2024 weitergeht. Das muss zeitnah entschieden werden."

E-Autos, Verbrenner und Hybride?

Einen Rahmen dafür gibt es schon: Der Konzern will künftig vier Modelle in Europa fertigen, zwei E-Auto und zwei Verbrenner, die auch als Hybrid angeboten werden sollen.

Der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal weiß, was das bedeutet: "Egal welches Modell bedeutet erstmal eine Weiterfertigung nach 2024, ein E-Modell bedeutet wohlmöglich eine geringere Fertigungstiefe, was sich dann wieder auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt"

Rund 2000 Jobs wurden bei Ford und den Zulieferern schon abgebaut. Die Nachtschicht wurde gestrichen, die Botschaft des Betriebsratsvorsitzenden der Standort hat schon geblutet und erwartet jetzt eine Gegenleistung: "Der Standort ist Zukunftsfest, wir haben die beste Belegschaft, wir haben neue Technologien und wir sind auch bereit, das alles anzunehmen"

IG-Metall-Chef zu Ford: "Eine unbefriedigende Situation"
Audio [SR 3, (c) SR Karin Mayer, 09.09.2020, Länge: 03:12 Min.]
IG-Metall-Chef zu Ford: "Eine unbefriedigende Situation"

Dafür will sich IG Metall-Chef Jörg Hofmann nun stark machen. In Berlin, aber beim Unternehmen: "Ford muss sich, wenn auch spät, neuen Antriebssträngen öffnen. Durch enstsprechende Investitionen. Und da muss das Werk in Saarlouis auch Teil der Strategie sein."

IG Metall gibt sich kampfeslustig

Der Konzern prüft nach Angaben des Betriebsrates derzeit die Produktion des Focus und des Fiesta um ein Jahr zu verlängern. Eine konkrete Zusage gibt es auch dafür nicht. Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen macht deshalb Druck.: "Wir werden nicht bis zum letzten Tag warten und zugucken"

7000 Beschäftigte habe die Autoindustrie im Raum Saarlouis. Für ihre Jobs und die Region will die IG Metall sich einsetzen und zwar mit allen Mitteln. "Streik ist immer das letzte Mittel. Ich hoffe, dass wir das nicht brauchen."

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