Fairer Handel Kaffee (Foto: SR)

50 Jahre Fairer Handel

mit Informationen von Patrick Wiermer   11.09.2020 | 06:20 Uhr

Der faire Handel wird ein halbes Jahrhundert alt. Angefangen hat alles als Bewegung von Idealisten. Die Warenauswahl erstreckte sich von Kaffee über Kunsthandwerk bis zu Nippes. Heute ist es ein Millionenmarkt. Zu verdanken ist das auch den engagierten Wegbereitern der ersten Stunde.

Zu Beginn war Fair Trade ein Nischenprodukt, heute profitieren nach Angaben von dutzenden Initiativen Millionen Bauern und Kleinsthandwerker vom Fairen Handel. Dass die fair gehandelten Produkte auch die Mitte der Gesellschaft erreicht haben, zeigt etwa der Blick in die Regale der Discounter.

Kaffee, Kunsthandwerk, Musikinstrumente

50 Jahre Fairer Handel
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 11.09.2020, Länge: 02:27 Min.]
50 Jahre Fairer Handel

Mitverantwortlich für diese Entwicklung sind Mitstreiter der ersten Stunden, die auf Märkten, an kleinen Ständen und in den ersten Läden die fairen Warenangebote präsentierten. Ein Beispiel ist Helmut Paulus aus Saarbrücken. Er erinnert sich, wie er damals 1973 Kaffee aus Nicaragua, Kunsthandwerk und Musikinstrumente verkaufte. Da war er gerade mal 16 Jahre alt. Mit vielem hätten die Leute zunächst kaum etwas anfangen können, erzählt er. Die Fair-Trade-Bewegung wollte das ändern: zum Beispiel mit Seminaren zum Thema Südafrika.

Die ersten Läden

Bis es erste Läden gab, sollte dauern - zum Beispiel den Weltladen in Saarbrücken. Den gibt es immerhin schon seit 30 Jahren. Dort arbeitet Ursula Schulz-Trieglaff. Von Beginn an, seit Gründung des Trägervereins Kreuz des Südens, arbeitet sie ehrenamtlich als Verkäuferin. Noch heute suchten die Kunden vor allem die klassischen Produkte und Exotisches aus fernen Ländern, erzählt sie.

Der Weltladen in Saarbrücken (Foto: Patrick Wiermer/SR)

Es hat sich aber auch einiges verändert: Nicht mehr verkauft werden Masken oder traditionelle Gewänder, etwa aus Afrika. Die Aneignung fremder Kulturen gilt nicht mehr als angebracht. Dafür gibt es jetzt Waren aus dem Bliesgau und mehr alltagstaugliches Kunsthandwerk, etwa eine Solarlampe aus Südafrika.

Fair Trade im Discounter

Ein "Fairtrade"-Siegel auf einer Packung Kaffee in einem Supermarkt (Foto: dpa)

Paulus findet die Entwicklung zu mehr Fair-Trade-Produkten zwar positiv, sieht die Angebote in Discountern jedoch kritisch. Hier würden gleich neben den fairen Auslagen Waren angeboten, die unter prekären Arbeitsbedingungen erzeugt wurden. Auch deshalb setzt sich Paulus für das Lieferkettengesetz ein. Unternehmen sollen damit für Schäden für Mensch und Umwelt, die in ihren Lieferketten entstehen, haften. 

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Peter Weichardt hat jahrelang ehrenamtlich im Saarbrücker "Weltladen" mitgearbeitet und verdient sein Geld heute als Fair-Trade-Marketing-Spezialist. SR-Reporter Jochen Marmit hat sich 50 Jahre nach Gründung der Fair-Trade-Bewegung mit dem "Eine-Welt-Fach-Promoter Fairer Handel" unterhalten.

Ein Thema in der Sendung "Guten Morgen" vom 11.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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