Kommentar: "Das Center wirkt heute wie ein Sperrriegel zwischen Hüttenareal und Innenstadt"

"Das Center wirkt heute wie ein Sperrriegel zwischen Hüttenareal und Innenstadt"

Audio [SR 3, Stephan Deppen, 30.08.2019, Länge: 02:28 Min.]

Ein Kommentar von Stephan Deppen   30.08.2019 | 16:45 Uhr

Das Saarpark-Center in Neunkirchen wird am 31. August 30 Jahre alt. Die Kaufmannsfamilie Otto hatte damals mit Millionen-Investitionen den Weg für das bis heute noch größte Einkaufszentrum im Saarland geebnet. Fluch oder Segen für Stadt? Dazu ein Kommentar von SR-Reporter Stephan Deppen.

Gehen Sie gerne in Einkaufsgalerien? Ich nicht. Ob Winter oder Sommer, Sonne, Regen oder Schnee: immer dieselbe Temperatur, immer dieselbe Luft - irgendwie wie ein Raumschiff. Dazu die immergleichen Geschäfte. Nicht mein Ding.

Video [aktueller bericht, 30.08.2019, Länge: 3:43 Min.]
30 Jahre Saarpark-Center

"Die Hauptschlagader des Neunkircher Einzelhandels"

Aber vielen Menschen geht das offenbar ganz anders. Das Saarpark-Center wird dreißig Jahre alt, wirkt immer noch jugendlich und wird in den nächsten Jahren weiter aufgefrischt. Die Investoren glauben noch immer an den Standort Neunkirchen. Das spricht für ihr Konzept. Das kommt unverändert an. Man kann sogar sagen: Das Saarpark-Center ist Neunkirchen. Vielleicht nicht mehr so entschieden wie vor Jahren, aber doch noch immer die Hauptschlagader des Neunkircher Einzelhandels.

Fluch und Segen zugleich

Ein Viertel der Umsätze in der Hüttenstadt würden allein in der Einkaufsmeile erwirtschaftet, sagt der Oberbürgermeister. Das ist Fluch und Segen zugleich. Segen, weil es Menschen in die Stadt lockt. Fluch, weil eine gewisse Abhängigkeit besteht. Dessen sind sich die Betreiber offenbar bewusst. Denn sie engagieren sich im City-Beirat, waren auch in der Diskussion um eine Supermarktansiedlung in der Betzenhölle nicht weggetaucht. Eine Identifikation mit der Stadt ist also durchaus erkennbar.

Vor dreißig Jahren mag die Architektur fortschrittlich gewesen sein, modern, Zeichen des Aufbruchs in Zeiten industriellen Abbruchs. Aber: Bis heute ist die Frage nicht wirklich beantwortet, wie viel kleineren Geschäften das Center den Todesstoß versetzt hat. Hat es den Neunkircher Einzelhandel ruiniert oder gerettet?

Klar ist: Es zieht auch Besucher in die Stadt, die sonst vielleicht den einen oder anderen Euro woanders ausgegeben hätten. Und die Stadt hat in den letzten Jahren viel getan, um Neunkirchen auch abseits der sterilen Einkaufsmeile attraktiv zu halten oder wieder zu machen: An erster Stelle ist das Bliesufer zu nennen, die Bahnhofstraße wurde aufgepeppt, beziehungsweise wird es noch, Stummplatz, Reithalle, Gebläsehalle… Die Liste ist lang. Und die Dinge werden von der Bevölkerung angenommen.

Sperrriegel zwischen Hüttenareal und Innenstadt

Insofern hat sich Neunkirchen zum Guten entwickelt. Trotz und wegen des Saarpark-Centers. Aber die jüngsten Entwicklungen haben auch gezeigt: Das Center wirkt heute wie ein Sperrriegel zwischen Hüttenareal und Innenstadt. Es steht einer Annäherung zwischen Hüttenareal und Innenstadt mehr und mehr im Weg. 

Da bedarf es guter Ideen, um dem wirtschaftlichen Erfolg auch einen stadtplanerischen folgen zu lassen. Auch der neue Oberbürgermeister wird also damit zu tun haben, das Saarpark-Center in die Entwicklung der Stadt zu integrieren. Wie vor 30 Jahren.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 30.08.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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