Fallschirmjäger der Bundeswehr bei ihrem Evakuierungseinsatz in Afghanistan (Foto: picture alliance/dpa/Bundeswehr | Marc Tessensohn)

20 Jahre Einsatz in Afghanistan: Generale ziehen eine erste Bilanz

Emil Mura   23.11.2021 | 12:55 Uhr

Seit dem Ende des Afghanistan-Einsatzes in diesem Sommer und der Machtübernahme durch die Taliban stellt sich die Frage: War das deutsche Engagement in Afghanistan umsonst? Der Deutsche Bundeswehrverband hat am 22. November auf seiner Herbsttagung in Saarlouis erste Antworten gesucht.

Dichtes Gedränge auf Flughafen von Kabul, tausende Afghanen versuchen einen Platz in einem der deutschen Flugzeuge zu bekommen, das sie in Sicherheit bringt. Spätestens als im Sommer die Bilder der deutschen Evakuierungsmission in Afghanistan über die heimischen Bildschirme liefen, haben viele an der Sinnhaftigkeit des Afghanistaneinsatzes gezweifelt.

Im Januar ist es nun 20 Jahre her, dass die Bundeswehr ihren Einsatz in Afghanistan startete. Was zunächst nur als kurze Friedensmission gedacht war, entwickelte sich mit den Jahren zum blutigen Kampfeinsatz.

Eine erste Bilanz

Einsatz in Afghanistan - Generale ziehen eine erste Bilanz
Audio [SR 3, Emil Mura/ Lena Schmidtke, 23.11.2021, Länge: 02:50 Min.]
Einsatz in Afghanistan - Generale ziehen eine erste Bilanz

Bei der Herbsttagung des Bundeswehrverbandes in Saarlouis haben die verantwortlichen Generäle nun eine erste Bilanz gezogen.

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan habe durchaus Gutes gebracht, findet Brigadegeneral Jens Arlt. "In 20 Jahren haben sich viele Dinge verändert", sagt er. Afghanische Gesellschaftsschichten hätten an unseren Werten teilgenommen. So seien beispielsweise Schulen für Jungen und Mädchen auf den Weg gebracht worden.

Auch bei der Ausrichtung der Bundeswehr habe sich der Einsatz ausgewirkt. Man habe völlig neue Verfahren entwickeln müssen in einem Land, in dem es auch darum ging, der Bevölkerung zu helfen, sagt Brigadegeneral Jared Sembritzki.

Erfolge aber keine wirkliche Nachhaltigkeit

In ihren Vorträgen machten die beiden Generale die Komplexität des Afghanistaneinsatzes deutlich. Sie sagen: Bei der Auswertung des Einsatzes müsse man differenziert vorgehen. So sei der Kampf der Amerikaner gegen die Terrororganisation Al Quaida ein Erfolg gewesen. Auch die Taliban seinen heute gemäßigter als noch vor 20 Jahren. Gleichzeitig sei eine Nachhaltigkeit nicht gegeben.

Es gehe deshalb nun darum, den Einsatz nicht nur rein militärisch, sondern auch mit allen gesellschaftlichen und auch politischen Facetten zu beleuchten um daraus Lehren zu ziehen für künftige Einsätze auf der Welt.

Erstes Fazit

Insgesamt sei Deutschland zu naiv in den Afghanistaneinsatz gestartet. Die Gesellschaft habe ein falsches Bild vom Auftrag der Bundeswehr gehabt. Fehlendes Vertrauen der Politik habe zu Verunsicherung bei den Soldaten und in der Bevölkerung geführt. Nach dem Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan habe sich daran nichts geändert.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 23.11. 2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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