Das Jahr - die Meinung: Wirtschaft im Wandel

Von Batterien und Lockdowns

Das Jahr - die Meinung: Wirtschaft im Wandel

Yvonne Schleinhege   17.12.2020 | 10:03 Uhr

Schon vor einem Jahr zeichnet sich ab: Die Saar-Wirtschaft schwächelt. Dann kommt Corona, der erste Shutdown. Im April bekommen über 80.000 Beschäftige Kurzarbeitergeld – besonders viele von ihnen aus der Autoindustrie. Zwischenzeitlich brechen die Umsätze hier teils um die Hälfte ein. Insgesamt werden im Saarland fast 17 Prozent mehr Arbeitslose als im letzten Jahr gezählt. Am Ende schrumpft die Wirtschaft, das Bruttoinlandsprodukt, voraussichtlich um zehn Prozent. Ein historisches Jahr.

Yvonne Schleinhege (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Yvonne Schleinhege

Vielleicht kann man sagen: Die Geschichte schreibt ihre eigenen Geschichten. Vielleicht muss man es genauso verstehen, das Jahr 2020: das Jahr der Jubiläen zweier Unternehmen, die wie kaum andere für den Strukturwandel im Saarland standen: Weg von Kohle und Stahl hin zum Autoland Saarland.

Vor genau 50 Jahren wurde der Grundstein für das ZF-Getriebe-Werk in Saarbrücken gelegt - vor genau 50 Jahre rollte der erste Ford-Escort in Saarlouis vom Band. Nun ein halbes Jahrhundert später: Ford streicht 1600 Jobs – bei ZF geht die Angst um, es könnten mehr als 2000 Arbeitsplätze wegfallen.

Beides zeigt deutlich: Der nächste Strukturwandel kommt nicht erst, er hat uns schon längst eingeholt - muss man wohl sagen. Er hat uns überholt! Dass es so kommt, war abzusehen. Gehandelt wurde, wenn überhaupt, halbherzig.  

Krisen haben die so export-abhängige Saar-Wirtschaft schon immer stärker getroffen. Corona zeigt die Probleme des Landes wie unter dem Brennglas. Für die Transformation der Automobilindustrie - weg vom Verbrenner hin zum E-Antrieb oder der Brennstoffzelle - war die Corona-Krise wie ein Beschleuniger.

Svolt (Foto: SR)
Svolt

Und das Saarland? Die Autoindustrie und ihre 44.000 Jobs, sie hängen am Verbrennungsmotor und sind damit akut in Gefahr. Auch deshalb wird der Batteriehersteller SVolt, die Absicht des chinesischen Unternehmens hier ein Werk zu errichten, gefeiert wie ein Heilsbringer. Die Vergleiche mit Ford und ZF lagen da nicht nur auf der Zunge.

Noch ist SVolt mit vielen Hoffnungen und Versprechen verbunden, aber auch mit mindestens so vielen Unbekannten. Ob das Geld aus China die saarländische Autoindustrie retten – oder zumindest in die Zukunft führen kann? Fraglich. Eine Neuansiedlung dieser Art wir nicht ausreichen. Sich jetzt auszuruhen auf diesem ersten Ansiedlungserfolg wäre fatal. Jetzt beginnt die Arbeit für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft.

Vielleicht fängt mit SVolt ein neues Kapitel Wirtschaftsgeschichte an - ein neues halbes Jahrhundert… Geschichte wiederholt sich nicht, heißt es ja eigentlich. Aber das ist ja nur ein Sprichwort.

Die Meinung von Yvonne Schleinhege in der "Region am Mittag" im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja