Das Jahr - die Meinung: Schule in der Krise

Neue Tablets und alte Probleme

Das Jahr - die Meinung: Schule in der Krise

Stephan Deppen   15.12.2020 | 12:25 Uhr

Hybrid-Unterricht – ein Wort, das vor einem Jahr wohl noch niemand kannte. Das macht schon deutlich, wie sehr die Corona- Pandemie auch das Bildungssystem im vergangenen Jahr geprägt hat. Für viele Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler ist das Nebeneinander von Online- und Präsenzunterricht inzwischen normal. Im Guten wie im Schlechten. Denn da liegt nicht die letzte Wahrheit für den Schulunterricht der Zukunft. Auch im Digitalen, aber hoffentlich nicht nur.

SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Stephan Deppen

Die Konsequenzen aus der Corona-Pandemie haben die Versäumnisse der letzten Jahre deutlich aufgezeigt, nicht nur im digitalen, auch im analogen Schulbetrieb. Ein paar Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit: mangelnde technische Ausstattung mit Hard- und Software, Renovierungsstau bei Ausstattung und Gebäuden, Defizite bei Personalisierung und Sozialarbeit.

Es bedurfte einer fürchterlichen Pandemie, um auf allen Gebieten Abhilfe zu schaffen oder zumindest auf den Weg zu bringen. Diesen Vorwurf müssen sich in erster Linie die anhören, die in den vergangenen Jahren auch die Bildungspolitik vorrangig unter der Überschrift "Schuldenbremse" betrieben haben.

Das ist zumindest vorläufig vorbei und einiges ist erreicht worden. Mit der Online-Schule Saarland ist in relativ kurzer Zeit ein konkurrenzfähiges und sicheres Produkt entstanden, das von manchen kritisiert, aber von den meisten Schulen inzwischen genutzt wird. Es gibt mehr Lehrer, Verbesserungen bei der Schulsozialarbeit – und vor allem überragendes Engagement in Kindertageseinrichtungen, in Schulen und auch Ministerium, um die negativen Auswirkungen der Pandemie nicht überbordend werden zu lassen.

Da haben sich Tag für Tag viele um das Wohl der Kinder und Jugendlichen verdient gemacht. Das ist leider ein bisschen untergegangen im Wettkampf um die besten Rezepte für die Schulen und den Unterricht. Eltern- und Lehrerinnen- und Lehrer-Verbände haben mitunter eher bildungsideologisch statt lösungsorientiert kritisiert. Manche Kritik war berechtigt: Die Sommerferien etwa hätten besser genutzt werden können, für Raum- und Verkehrskonzepte , die dann später hastig nachgeschoben wurden.

Eine zentrale Position aber stand: Die Bildungsministerin wollte so lange wie möglich und verantwortbar am Präsenzunterricht festhalten. Das war aus sozial- wie bildungspolitischer Sicht grundsätzlich richtig und geboten. Seit dem 13. Dezember aber ist diese Diskussion erledigt.

Bleibt zu hoffen, dass bis zum neuerlichen Schulstart im neuen Jahr alle hinter den Kulissen Beteiligte dafür gesorgt haben, dass dann auch wirklich wieder alle in die Schulen zurück können.

Die Meinung von Stephan Deppen in der "Region am Mittag" am 15.12.2020 im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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