Das Jahr - die Meinung: Pflege wird uns alle angehen

Klatschen und dann?

Das Jahr - die Meinung: Pflege wird uns alle angehen

Steffani Balle   17.12.2020 | 10:03 Uhr

Ohne Pflegekräfte hätten wir noch mehr Corona-Tote, viele Menschen, die in Altenheimen vor Einsamkeit sterben und Kranke, die ins Bett machen, weil keiner sie zur Toilette begleitet. Eigentlich wissen wir all das spätestens seit der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr. Eigentlich.

Steffani Balle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Steffani Balle

Klatschen allein genügt nicht – das ist das Mantra dieses Jahres! Rund 24.000 Beschäftigte in der Alten- und Krankenpflege im Saarland können sich davon nichts kaufen. Die vollmundigen Versprechen aus Berli - Jede und Jeder, der oder die den Laden während der Pandemie am Laufen hält, hat eine satte Prämie verdient - wurden nur schrittweise und /oder teilweise erfüllt.

Die umständlichen Anträge auf den steuerfreien Corona-Bonus für die Beschäftigten in der Altenpflege waren da nur der erste Grund fürs Fremdschämen. Und wohl der Grund, dass nicht einmal die Hälfte aller Berechtigten im Saarland diesen Antrag gestellt hat.

Nach Komplikationen und Verzögerungen bis in den Herbst hinein folgte der unrühmliche Höhepunkt: Hatten die Gewerkschaften endlich auch für die Krankenpflege einen Bonus erstritten, wurden nur bestimmte Krankenhäuser damit bedacht und auch dort sollten Betriebsrat und Leitung selbst festlegen, wer wie viel bekommt.

Als dann auch noch die größte Klinik im Land, die Uniklinik Homburg, ganz ohne Bonus auskommen sollte, war das Maß voll: Endlich entlud sich die Wut der Betroffenen in den sozialen Medien - mit dem Erfolg, dass die Mutigste unter den Krankenpflegerinnen eine Privataudienz beim Ministerpräsidenten bekam.

Da gab’s warme Worte. Den Bonus nicht. Bis heute.

Und während die zweite Welle übers Land rollt, krempeln Alten- und KrankenpflegerInnen die Ärmel hoch, Maske an, Kittel drüber und weiter geht’s – rund um die Uhr, ohne auf Dienst- oder Ferienpläne Rücksicht nehmen zu dürfen.

Allein der beschämende Umgang mit der Corona-Prämie für Pflegekräfte ist Erklärung genug für den Personalmangel in Heimen und Kliniken. Dabei hätte die Prämie eigentlich das Gegenteil bewirken können, wenn sie denn ordentlich, unbürokratisch, großzügig und an alle ausgezahlt worden wäre.

Die Meinung von Steffani Balle in der "Region am Mittag" im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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