Das Jahr - die Meinung: Die Kliniklandschaft im Saarland

Bleiben, schließen, oder was dazwischen?

Das Jahr - die Meinung: Die Kliniklandschaft im Saarland

Steffani Balle   15.12.2020 | 12:25 Uhr

Die Krankenhauslandschaft im Saarland ist dieses Jahr ordentlich durcheinander geraten. Häuser wurden geschlossen, andere werden überraschend weitergeführt, wieder andere abgespeckt und an einer Stelle entsteht tatsächlich Neues - alles mehr oder weniger am ursprünglich festgezurrten Krankenhausplan der Landesregierung vorbei. Ist das Willkür der Träger oder nur die Folge wirtschaftlicher Zwänge?

Steffani Balle (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Steffani Balle

Ministerin Monika Bachmann muss sich, wenn sie ehrlich ist, vorkommen wie der Ochs, der am Nasenring durch die Arena geführt wird. Da setzen sich Klinik-Träger wie Marienhaus oder CTT mit ihr an einen Tisch, verabreden Standorte und Landes-Zuschüsse – und wenige Monate später ist alles nicht mehr wahr.

Die CTT-Klinik in Lebach. Anfang März verkündet die Trägergesellschaft: Wir schließen, weil das Krankenhaus nicht wirtschaftlich arbeiten kann. Der kleine Wald nebenan war nur eine Woche vor dieser Verkündung gerodet worden. Das bringt das gesamte Verfahren um die Suche nach einem Träger für eine Nordsaarlandklinik aus dem Ruder.

Krankenhaus Lebach (Foto: Dirk Petry/SR)

Plötzlich kommen mehrere Klinik-Träger auf Ideen, wie sie die Versorgung übernehmen könnten - unter der Voraussetzung, dass die Klinik in Lebach macht dicht. Ein halbes Jahr, ein Gutachten und etliche Hängepartien später verkündet CTT überraschend: Wir machen doch weiter! Wir können das! Den Plänen nach nicht viel anders als vorher, außer dass der Schwerpunkt zukünftig auf der Altersmedizin liegen soll - und auf den gewinnbringenden Knie- und Hüft-OPs.

Dass das 213-Betten-Haus am Rande der Wirtschaftlichkeit schlingert, bescheinigen hinter vorgehaltener Hand eigentlich alle Experten - außer denen, die das Gutachten geschrieben haben.

Aber die Ministerin ist glücklich und kann gleich danach verkünden: Die SHG wird die Versorgung im Nordsaarland übernehmen. Eine ambulant-stationäre Lösung soll kommen. Keine Nordsaarlandklinik. Der Name wäre bei einem kleinen Bettenangebot nur für Nachsorge-Patienten, die noch eine Nacht nach einer ambulanten OP da bleiben müssen, auch übertrieben. Und doch feiern Ministerium und Ministerpräsident die kleine Lösung, als habe man den Heiligen Gral gefunden.

Sieht man mal davon ab, dass Marienhaus nach Wadern und Dillingen nun auch Ottweiler schließt und Losheim zur Tagesklinik degradiert: Toll gemacht! Die Kritiker, die schon seit Jahren mosern, dass wir zu viele Krankenhäuser im Saarland haben, lachen sich ins Fäustchen. Und die Ministerin strahlt, als hätte sie’s nicht kapiert.

Die Meinung von Stephanie Balle in der "Region am Mittag" im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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