Das Jahr - die Meinung: Die Bistumsreform

Ein langer, kostspieliger Weg für einen jetzt so einfachen, naheliegenden Plan

Das Jahr - die Meinung: Die Bistumsreform

Oliver Buchholz   21.12.2020 | 09:42 Uhr

2013 ging es im Bistum Trier mit einer so genannten Synode los: Rund 270 Katholiken machten sich Gedanken über die Zukunft der Kirche im Bistum Trier. Wie kann man nochmal mehr Menschen ansprechen? Wie Ressourcen sparen? Drei Jahre später startete die Bistumsverwaltung dann in die Umsetzung - von den inhaltlichen Vorschlägen aber zunächst keine Spur. Es ging um eine drastische Zusammenlegung der Pfarreien. Aus bislang knapp 900 sollten nur noch 35 werden. Der Ärger war groß, eine Gegeninitiative gründete sich. Bei einer Demo vor zwei Jahren vor dem Trierer Dom versammelten sich über 1000 Gläubige. Gegen die Reformpläne wurde geklagt, vor einem Jahr hat der Vatikan die Reform dann gestoppt.

Oliver Buchholz (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

Über drei Millionen Euro hat allein die Durchführung der Synode gekostet. Mit dreieinhalb Stellen hat sich das Bistum danach der Umsetzung der Ergebnisse gewidmet, heißt in erster Linie: der Strukturreform der Pfarreien.

Doch schon dem ersten Umsetzungsentwurf folgte der Ärger: Hatte die Synode noch 60 Großpfarreien vorgeschlagen, war plötzlich nur noch von 35 die Rede. Das hat für Verärgerung gesorgt. Es gab Gesprächsabende, Informationsveranstaltungen und jede Menge Broschüren. Und trotzdem wehrten sich mehr und mehr Gläubige gegen die Auflösung der bisherigen knapp 900 Pfarreien.

Zwar drehte sich ein Großteil des Protestes eher um das Vermögen als um Seelsorge und  Glauben, aber dennoch: Die Bedenken waren da und wurden auch geäußert.

Selbstbewusst hat die Bistumsleitung um Bischof Ackermann trotzdem am ehrgeizigen Zeitplan festgehalten. Den Klagen einer Priestergemeinschaft und der Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ bei der vatikanischen Kleruskongregation und dem Rat für Gesetzestexte wurde kaum Beachtung geschenkt. Der Bischof wurde nach Rom bestellt, die Reformpläne auf Eis gelegt. Es folgte ein römisches Dekret, dass der Weltkirche strengere Regeln bei der Neuordnung von Pfarreien auferlegt.

Und nun? Nun will das Bistum, dass die Pfarreien sich selbstständig Gedanken machen, welche Zusammenlegungen sinnvoll sind. Statt der 35 sollen die bisherigen Pfarreien bis Ende 2025 freiwillig mit Nachbargemeinden fusionieren. Ziel: Die Pfarreien, die ohnehin schon jetzt in 172 Pfarreiengemeinschaften zusammenarbeiten, sollen dann zur Pfarrei mit nur einer Pfarrkirche, einem Pfarrer, einem Budget werden.

Ein langer, kostspieliger Weg, für diesen jetzt so einfachen, so naheliegenden Plan. Anstatt mehr Menschen mit der christlichen Botschaft zu erreichen, hat das Bistum bei seinem Vorgehen weitere Menschen abgehängt, Ehrenamtliche verärgert und viel Geld und Zeit verschwendet.

Die Kirche täte gut daran künftig die Sorgen, Hoffnungen und Ängste der vielen Ehrenamtlichen vor Ort, ohne deren Einsatz viele Pfarreien eh schon längst tot wären, ernst zu nehmen.

Die Meinung von Oliver Buchholz in der "Region am Mittag" im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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