Das Jahr - die Meinung: Das Saarland und seine Verkehrsanbindungen

Abgehängt?

Das Jahr - die Meinung: Das Saarland und seine Verkehrsanbindungen

Stephan Deppen   15.12.2020 | 12:25 Uhr

Sie möchten mit dem Zug nach Paris? Meistens kein Problem, dazu schnell und unkompliziert. Sie möchten mit dem Zug nach Köln? Meistens auch kein Problem, dafür aber langsam und mitunter kompliziert. Um Zug- und Flugverbindungen aus dem Saarland ringt das Land seit Jahren.

SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Stephan Deppen

Stimmt schon, das alte Sprichwort: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Von der eigentlich positiven Erwartungshaltung bleibt allerdings in Bezug auf die Anbindung des Saarlandes an den Rest der Welt nicht viel übrig. Jedenfalls, wenn es ohne Auto in die Ferne gehen soll. Dann drohen negative Erlebnisse. Obwohl es in einem Positionspapier der Strukturwandelinitiative vom Sommer dieses Jahres heißt: "Eine gute Anbindung ans Fernverkehrsnetz bestimmt ganz wesentlich die Attraktivität einer Region als Wirtschafts- und Lebensstandort." 

Papier ist geduldig. Nicht einmal auf die im ohnehin spärlichen ICE-Fahrplan über Saarbrücken aufgelisteten Züge war Verlass. Wegen der Reisebeschränkungen in Frankreich verkehrten über Wochen nur wenige ICE über Saarbrücken nach Paris. Aber: Damit fielen dann die Verbindungen auf Deutscher Seite gleich mit aus. Pech gehabt !

Anzeigetafeln an einem Bahnsteig (Foto: SR)

Zugegeben: Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen war für alle Beteiligten eine Herkulesaufgabe, für die es keinen fertigen Plan in der Schublade geben konnte. Aber es ist mehr als Pech. Es zeigt - Pandemie hin oder her - wie unwichtig das Saarland für die deutsche Bahn ist. Wir liegen am Rand und das lässt uns die Bahn spüren. Ob unsere Wirtschaftsministerin in Berlin auf den Putz haut oder nicht: Im Ergebnis müssen wir seit Jahren immer wieder das Gleiche kritisieren. Es hakt bei den Anbindungen, beim Ausbau, beim Umgang mit den Bahnhöfen und und und...

Ganz aus dem Schneider ist aber auch unsere Wirtschaftsministerin nicht. So manche Verbindungen in der Region könnten besser aufeinander abgestimmt sein, auch beim Tarif. Und apropos Tarif: Die Tarifreform im Saarland kommt erst im Sommer. Macht wegen Corona früher keinen Sinn - ist aber dennoch längst überfällig.

Was die Regionalverbindungen Koblenz, Trier, Saarbrücken, Mannheim und retour angeht, sieht es inzwischen gar nicht so schlecht aus. Laut Fahrplan jedenfalls. Zugausfälle und andere Unpässlichkeiten sollten aber weiter verringert werden.

Anbindung des Saarlandes an die große weite Welt? Per Schiene kann es super- oder gar nicht klappen. Es ist ein bisschen Glücksspiel dabei.

Und per Flugzeug stirbt die Hoffnung zuletzt. Ob es gelingt, den heimischen Flughafen tatsächlich innerhalb der nächsten Jahre wirtschaftlich aus eigener Kraft überlebensfähig zu machen, ist durchaus fraglich.

Einzig per Auto klappen kleine Fluchten verlässlich. Wenn nicht das ständig steigende Verkehrsaufkommen mit steigender Unfallzahl auch immer wieder zu unkalkulierbaren Verzögerungen führte. Man würde ja umsteigen - wenn...

Ja, es bleibt noch einiges zu tun.

Die Meinung von Stephan Deppen in der "Region am Mittag" im Dezember 2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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